Wirtschaft : IG Metall: 800 Mark weniger für Arbeiter

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Die IG Metall will das nächste Jahr nutzen, um endlich mit den Arbeitgebern einen Entgelttarifvertrag zur Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten zu vereinbaren. Dies beschloss der Vorstand am Dienstag in Frankfurt. In nächsten Jahr gibt es keine Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen, weil die derzeitigen Verträge bis 2002 und 2003 laufen. "Trotzdem wird es keinen tarifpolitischen Stillstand geben", sagt IG Metall-Vize Jürgen Peters. Die Ungerechtigkeiten in der Bezahlung von Arbeitern und Angestellten müssten endlich ein Ende haben. Im Extremfall gibt es nach Angaben der Gewerkschaft ein Gefälle zwischen Lohn und Gehalt für die gleiche Tätigkeit von bis zu 800 Mark.

Peters zufolge verhandelt die IG Metall bereits seit 22 Jahren mit den Arbeitgebern über einen entsprechenden Tarifvertrag. In einzelnen Bezirken seien zwar technische Fragen weitreichend beantwortet, beim Geld aber hake es. "Die Arbeitgeber haben diese Gespräche unter ein Dogma gestellt: Die Angleichung darf nichts kosten. Mit einem Dogma aber kommen wir nicht weiter", sagte Peters. Die Bewertung von Arbeit muss nach Ansicht der IG Metall endlich der modernen Arbeitsorganisation entsprechen. "Sie stammen noch aus einer Zeit, in der Lochstreifen und Kugelkopfschreibmaschinen zum letzten technischen Schrei gehörten; als Autos noch mit der Hand geschweißt wurden und Fließbandarbeit als produktivste Form der Arbeit galt", kritisierte der IG Metall-Vize. Dies habe etwa zur Folge, dass ein Angestellter mit abgeschlossener Berufsausbildung in Bayern in Gehaltsgruppe drei ein monatliches Grundgehalt von 4002 Mark beziehe, ein Arbeiter mit dreijähriger Ausbildung aber nur 3254 Mark. Arbeiter könnten maximal 4328 Mark nach Hause bringen, Angestellte in Bayern aber bis zu 7307 Mark. "Diesen Anachronismus wollen wir schon lange eliminieren." Dazu will die IG Metall im nächsten Jahr eine Mobilisierungskampagne starten.

Auch die Frage der Qualifizierung und Weiterbildung will Peters im nächsten Jahr thematisieren. Die Lösung der Probleme könne nicht darin liegen, dass via Green Card ausländische Experten ins Land geholt würden. Nach Berechnungen der IG Metall lassen sich die Arbeitgeber die Weiterbildung der Beschäftigten pro Kopf und Jahr - inklusive Reisekosten - nur 603 Mark kosten. "Die Arbeitgeber sind außer Stande, durch eigene Initiative eine Offensive zur Qualifizierung anzupacken, obwohl sie die für ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit eigentlich brauchen", klagte Peters.

Die IG Metall will tarifvertraglich garantierte Qualifizierungsansprüche für alle Beschäftigten durchsetzen. Schließlich soll nach den Worten von Peters der Flächentarifvertrag weiter reformiert und stabilisiert werden. Er benötige einen "neuen gesellschaftlichen Rückhalt". Was sich hinter den Reformansinnen konkret verbirgt, ließ Peters am Dienstag allerdings offen.

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