IG Metall : Angst um 700.000 Arbeitsplätze

Die IG Metall befürchtet bis Ende 2012 in der Metall- und Elektroindustrie den Abbau von bis zu 700.000 Arbeitsplätzen. Berthold Huber zu Opel: Die Arbeitnehmer sind "verarscht" worden.

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Die da sind am Zug. Doch diesmal will IG-Metall-Chef Berthold Huber nicht mehr Geld von den Arbeitgebern, sondern Verabredungen...ddp

Frankfurt am Main - Die IG Metall befürchtet bis Ende 2012 in der Metall- und Elektroindustrie den Abbau von bis zu 700 000 Arbeitsplätzen. „In diesem Jahr steht uns die eigentliche Bewährungsprobe für die Stabilität des Arbeitsmarktes bevor“, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Montag in Frankfurt am Main. 2009 sei die befürchtete Entwicklung vor allem wegen der Kurzarbeit nicht eingetreten. Nach Ansicht von Huber können Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften eine dramatische Entwicklung verhindern. „Solche Beschäftigungsverluste sind kein Automatismus.“ In der anstehenden Tarifrunde will die Gewerkschaft den Schwerpunkt auf die Beschäftigungssicherung legen. Ob es eine konkrete Lohnforderung oder gar eine Nullrunde gibt, ließ Huber offen. „Ich hoffe und erwarte, dass es eine schnelle Einigung gibt und dies ohne die üblichen Rituale,“ betont der IG-Metall-Chef. Ähnlich hatte sich in der vergangenen Woche Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser geäußert.

„Wir wollen nichts unversucht lassen, möglichst stabile Beschäftigungsverhältnisse zu bekommen und Entlassungen zu vermeiden“, sagte Huber weiter. Die seit Anfang Dezember auf Bezirksebene laufenden Sondierungsgespräche zeigten, so ließ der IG-Metall-Chef durchblicken, zum Teil hoffnungsvolle Ansätze. Um der schwierigen Lage zu begegnen, setzt die Gewerkschaft weiter auf Kurzarbeit, aber auch auf eine weitere Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 26 Stunden im Rahmen des Tarifvertrags Beschäftigungssicherung. Dies müsse jedoch mit einem Teillohnausgleich und der Freistellung von den Sozialabgaben begleitet werden. Huber und Kannegiesser haben bereits Gespräche mit dem Ziel einer Beteiligung des Staates mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geführt. Offenbar mit geringem Erfolg, denn „derzeit gibt es keinen gesetzlichen Handlungsbedarf“, hieß es zuletzt im Ministerium. Eine „Belastung für die Solidargemeinschaft“ komme nicht infrage.

Im Bezirk Niedersachsen endete am Montag das dritte Sondierungsgespräch der Tarifparteien ergebnislos. „Die IG Metall wird nicht über Geld sprechen, bevor belastbare Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung auf dem Tisch liegen“, kritisierte der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleister Hartmut Meine. Die dortige IG Metall schlägt sogar eine Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 25 Stunden vor – allerdings mit einem Teillohnausgleich von 50 Prozent, der von den Arbeitgebern und vom Staat kommen soll. Ein weiteres Sondierungsgespräch soll es nun nicht mehr geben. Das nächste Datum ist der 9. Februar, dann entscheidet der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main über das weitere Vorgehen.

Neben der Tarifrunde und der Angst um die Arbeitsplätze wird der Fall Opel Betriebsräte und Gewerkschaft in den kommenden Wochen beschäftigen. Allerdings sind die Gespräche mit dem Opel- und GM-Management nach dem Beschluss zum Aus für das Werk in Antwerpen nach Einschätzung von Huber blockiert. „Für uns kommt eine Schließung der Fabrik in Antwerpen nicht infrage.“ Beiträge der Opel-Arbeitnehmer zur Sanierung des Unternehmens werde es unter diesen Bedingungen nicht geben. Der IG-Metall-Vorsitzende räumte ein, dass die ökonomische Lage für Opel angesichts des schwierigen Automarktes immer problematischer werde. „Aber jetzt ist es Aufgabe des Managements, endlich ein Konzept vorzulegen. Die Arbeitnehmer haben ihre Vorschläge gemacht.“ Doch die Berechenbarkeit von GM sei in den letzten Monaten „nicht gestiegen.“ Arbeitnehmer und IG Metall seien ein Jahr lang vorgeführt und „verarscht“ worden, klagte Huber.

Die IG Metall kämpft angesichts der Krise mit einem weiteren Mitgliederschwund und sinkenden Mitgliedsbeiträgen. Seit 2000 geht die Zahl der Metaller kontinuierlich zurück, 2009 im Vergleich zum Vorjahr um rund 37 500 auf jetzt noch 2,26 Millionen. Damit bleibt die IG Metall vor Verdi (2,14 Millionen) die größte Gewerkschaft. Vor zehn Jahren waren es noch 2,76 Millionen Mitglieder. Die Beitragseinnahmen schrumpften, auch bedingt durch die Kurzarbeit, 2009 um zwei Millionen auf 441 Millionen Euro. In diesem Jahr rechnet Hauptkassierer Bertin Eichler mit einem Rückgang auf 428 Millionen Euro. Ein Prozent des Bruttolohnes führen die Mitglieder an die IG Metall ab „Unsere Streikrücklagen sind aber weiter sicher, trotz Finanzkrise“, sagte Eichler. 2009 konnte die IG Metall die Verzinsung ihrer Finanzanlagen über das selbst gesteckte Ziel von fünf Prozent steigern. mit alf

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