IG-Metall-Chef Hager : "Mit Betriebswirtschaft kommen wir nicht weiter"

Der Berliner IG-Metall-Chef Arno Hager möchte einen staatlichen Hilfsfonds für bestimmte Branchen Chef der Berliner IG Metall, sprach Alfons Frese.

Herr Hager, bislang gab es keine Entlassungswellen in Berlin. Bleibt das so?



Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht, weil wir eine andere Industriestruktur haben als andere Ballungsräume in Deutschland. Erstens gibt es in Berlin weniger Industrie, und die Automobilbranche und der Maschinenbau sind hier nur halb so stark wie im Bundesdurchschnitt. Andererseits ist die Elektroindustrie doppelt so groß und vom Energiemaschinenbau geprägt.

Warum ist das positiv?

Weil zum Beispiel Siemens oder MAN in Berlin für große internationale Infrastrukturprojekte im Zusammenhang mit Energieerzeugung und Klimaschutz produzieren, und die sind aktuell von der Krise weniger betroffen als andere Industriebereiche. Das Gleiche gilt für den Bereich Chemie. Berlin hat einen großen Pharma-Anteil, und der ist kaum betroffen.

Also wird es keine Einschläge geben?


Vermutlich nicht in nächster Zeit, aber die Krise ist noch lange nicht bewältigt. Wir haben in der Metallindustrie aktuell einen Auftragsrückgang um die 40 Prozent. Die Umsatzeinbrüche müssen die Unternehmen aus ihrer Substanz verkraften. In der Folge sinkt die Eigenkapitalquote. Hinzu kommen zunehmende Liquiditätsprobleme. Als Reaktion darauf investieren die Firmen nicht mehr, bauen ihre Läger ab etc., was einerseits betriebswirtschaftlich notwendig ist, andererseits die Nachfragekrise weiter verschärft, weil die Käufe der Firmen untereinander wegfallen.

Was kann den Teufelskreis durchbrechen?

Ein Hilfsfonds für stark betroffene Branchen. Denn mit der normalen Beurteilung durch die Banken kommen die Firmen in dieser Situation nicht mehr im ausreichenden Maße an Kapital.

Und wie hilft da der Hilfsfonds?

Er gibt Eigenkapitalhilfen und stellt Liquidität zur Verfügung. Wir müssen den Unternehmen helfen, die durch die Wirtschaftskrise in Not geraten. Die schleppende Vergabe von Finanzmitteln ist zwar aus Sicht der Banken verständlich. Letzten Endes führt das allerdings die Unternehmen in die Liquiditätskrise und ins Aus. Wir haben eine Systemkrise, in der die betriebswirtschaftlichen Hilfsmittel nicht mehr wirksam greifen.

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