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IG-Metall-Chef im Interview : "Ohne Weiterbildung keine Industrie 4.0"

Weiterbildung und mehr Arbeitszeitflexibilität für die Beschäftigten - das sind für den IG-Metall-Vorsitzenden die wichtigsten Themen in den kommenden Jahren.

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"Wir fühlen uns so stark wie lange nicht", IG-Metall-Chef Detlef Wetzel über seine Gewerkschaft. Foto: Thilo Rückeis
"Wir fühlen uns so stark wie lange nicht", IG-Metall-Chef Detlef Wetzel über seine Gewerkschaft.Foto: Thilo Rückeis

Detlef Wetzel, Vorsitzender der IG Metall, macht sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. "Das ganz große Defizit in unserer Arbeitsgesellschaft ist Qualifizierung und Weiterbildung", sagte Wetzel im Interview mit dem Tagesspiegel (Montagausgabe). "Viele Menschen können ihren Beruf gut ausfüllen, aber wenn sich etwas Gravierendes verändert, dann können sie nicht mehr mithalten." Die mit 2,3 Millionen Mitgliedern größte deutsche Gewerkschaft verbinde eine gemeinsame Fragestellung mit den Arbeitgebern: "Was müssen wir tun und den Beschäftigten anbieten, damit die ordentlich und gesund durch das Arbeitsleben kommen und ihre Bedürfnisse befriedigen können?" Das betreffe auch die Tarifpolitik, die sich zunehmend mit qualitativen Fragen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder dem lebenslangen Lernen befassen müsse. "Nur mit dem Thema Geld kommen wir da tarifpolitisch nicht mehr mit", sagte Wetzel.

"Wir fühlen uns sehr stark"

Neben der Weiterbildung sei die Beteiligung der Arbeitnehmer ganz wichtig für den Erfolg der unter dem Stichwort Industrie 4.0 laufenden Digitalisierung der Wirtschaft. "Es wird schwierig für die Industrie 4.0, wenn es uns nicht gelingt, neue Technologien mit einer hohen Akzeptanz einzusetzen", sagte der IG-Metall-Vorsitzende. "Die Digitalisierung setzt ja sehr stark auf kluge und motivierte Fachkräfte, die bereit sind, sich zu verändern und den Weg mit zu gehen. Man verändert sich aber nicht, wenn man sich in die Bedrohung hinein entwickeln soll. Deshalb brauchen wir Sicherheit und Klarheit für die Menschen", sagte Wetzel dem Tagesspiegel.

 

Die IG Metall sieht er dafür in einer guter Verfassung. "2015 ist zumindest bislang das beste Jahr seit langem, die Mitgliederentwicklung ist gut und die IG Metall hat politisch Gewicht." In den vergangenen Jahre habe die Gewerkschaft eine "riesenhafte Veränderung" erlebt. "Wir haben jetzt eine ganz andere Aura und fühlen uns sehr stark", sagte Wetzel, der in zwei Wochen auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall von Jörg Hofmann abgelöst wird.

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