Wirtschaft : IG Metall: Der Gewerkschaft die Angst nehmen

Alfons Frese

Peter Hartz hatte die Schwierigkeiten kommen sehen. Der für das Personal zuständige VW-Vorstand meinte schon vor Wochen, das Modell "5000 mal 5000" bringe ziemlich viel Innovation auf einmal. Offenkundig zu viel für die IG Metall, an deren Widerstand das Projekt Anfang der Woche scheiterte. Zum Ende der Woche und mit der Hilfe von Hartz wird "5000 mal 5000" nun wieder belebt. "Wir haben verstanden", sagt Hartz, dass aufgrund der Tragweite des Modells in der IG Metall eine "Grundsatzdiskussion über Tarifstrategien" stattfinden müsse. Und das braucht Zeit. Gleichzeitig, aber ohne Zeitdruck, will VW mit der Gewerkschaft verhandeln und die Umsetzung des Arbeitszeitmodells vorbereiten.

Soweit die gute Nachrichten aus Wolfsburg. Der Ball ist jetzt wieder im Feld der IG Metall. Aber muss sich die Gewerkschaft auf alle Innovationen einlassen, damit sie nicht das Etikett des Jobverhinderers verpasst bekommt? Die in dem VW-Modell-Beschäftigten würden nach Berechnungen der Gewerkschaft 40 Prozent weniger Geld bekommen als die Kollegen, die nach dem aktuellen VW-Tarif bezahlt werden; VW will ferner ein so genanntes Programmentgelt zahlen, der Zusammenhang von Arbeitszeit und Einkommen existiert also nicht mehr; schließlich wird der Sonnabend zum Regelarbeitstag und die Wochenarbeitszeit erhöht sich auf 42,5 Stunden, davon 7,5 Stunden für Qualifizierung. Das alles ist harter Tobak für die Gewerkschaft, die Jahrzehnte gebraucht hat, um die gegenwärtigen Arbeitszeiten und Einkommen zu erreichen.

Und diese materiellen Bedingungen sind so gut wie nirgendwo sonst auf der Welt - und trotzdem (oder deshalb?) ist die deutsche Volkswirtschaft eine der erfolgreichsten der Welt. Die Autoindustrie, von der hierzulande etwa jeder siebte Arbeitsplatz abhängt, sowieso. Mercedes und BMW, Porsche und VW gehören auf Grund ihrer technologischen Klasse zu den beliebtesten Marken in aller Welt - trotz der hohen Stundenlöhne in Stuttgart, München oder Wolfsburg. Am Technologie- und Hochlohnstandort Deutschland kann kein Unternehmen in eine Kostenkonkurrenz mit Tschechien oder Portugal treten. Aber genau davor hat die IG Metall Angst. Wenn der schlaue Peter Hartz ihr diese Angst zu nehmen weiß, dann wird das noch was mit "5000 mal 5000".

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