Wirtschaft : IG Metall: Ein Unglück für die Konjunktur

Selbstverständlich sind Streiks "kein nationales Unglück", da hat Klaus Zwickel Recht. Und wenn die Arbeitgeber sich stur stellen und zu wenig rausrücken wollen, dann muss nachgeholfen werden können. Denn die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer sind keine Bettler, sondern bei Bedarf eine starke Truppe im Arbeitskampf. Nun gab es in der Bundesrepublik wenig Gelegenheit, um die Bedeutung des Streikrechts für Gesellschaft und Demokratie zu würdigen. Dass es so wenig Streiks hier zu Lande gab, ist denn auch ein Beleg für den fairen Interessenausgleich zwischen Kapital und Arbeit. In diesem Jahr scheint das schief zu gehen. Jedenfalls in der Metallindustrie. Ausgerechnet in einem Jahr, in dem ein Sozialdemokrat zum Kanzler wiedergewählt werden will und in dem die Konjunktur so in Schwung kommen könnte, dass Arbeitsplätze entstehen, bricht die IG Metall einen Großkonflikt vom Zaun. Im reichen Baden-Württemberg und im armen Berlin-Brandenburg sollen die Gewerkschaftsmitglieder in den nächsten Tagen für Streik votieren. Die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent dürfte ziemlich sicher sein, denn die straff geführte IG Metall ist kampagnefähig und streikwillig wie kaum eine andere Organisation. Vielleicht ticken die Mitglieder aber auch anders als die Funktionäre: Vielleicht finden sie das bisherige Angebot der Arbeitgeber von 3,3 Prozent gar nicht so schlecht. Und vielleicht sind sie auch froh, dass ihr Arbeitsplatz einigermaßen sicher ist, und diese Sicherheit nicht durch zu hohe Arbeitskosten gefährdet werden darf. Die Inflation wird 2002 deutlich unter zwei Prozent liegen - bei 3,3 Prozent mehr Lohn bleibt den Beschäftigen also deutlich mehr Geld zum Ausgeben. Für Klaus Zwickel spielt das keine Rolle. Wider alle volkswirtschaftliche Vernunft beharrt er auf vier Prozent mehr Lohn. Und wenn die Räder dann still stehen, kann sich das sehr wohl zum Unglück ausweiten.

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