Wirtschaft : IG Metall erlaubt Debis 43 Wochenstunden

Wegweisender Tarifvertrag vor dem Abschluß / IG Metall will auch Dienstleister vertreten STUTTGART (ajo/HB).Die IG Metall steht kurz vor dem Abschluß eines Tarifvertrages mit der Daimler-Benz-Dienstleistungstochter Debis AG."Die Verhandlungen sind wider Erwarten weit fortgeschritten, so daß mit einer Einigung gerechnet werden kann", sagte IG Metall-Verhandlungsführer Jürgen Stamm von der IG Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart.Die voraussichtlich entscheidende Verhandlungsrunde findet am 14./15.März statt.Mit diesem Tarifvertrag würde die IG Metall Neuland betreten.Im Bereich Informationstechnolgie hat bislang lediglich die DAG bei der IBM Deutschland GmbH einen Haus-Tarifvertrag abgeschlossen, nachdem die IBM durch die Neugründung von Töchtern im wesentlichen aus dem Geltungsbereich des Metall-Tarifs ausgeschert war.Derzeit gilt nach IG Metall-Angaben für rund 2500 der 12 000 Debis-Beschäftigten der Metall-Tarif.Diese wechselten von anderen Daimler-Töchtern zur Debis.Nicht tarifgebunden ist damit der weitaus größte Teil der Beschäftigten.Bei dem neuen Tarifvertrag, der ein Ergänzungstarifvertrag zum Metalltarif bei den Punkten Arbeitszeit, Qualifizierung und Vergütung ist, springt die IG Metall in puncto Arbeitszeit über ihren Schatten.Für die Beschäftigten soll künftig eine befristete, projektabhängige "Zielarbeitszeit" vereinbart werden können.Die IG Metall räumt eine Obergrenze von 43 Stunden ein, während sie in ihren angestammten Branchen eine Ausweitung der Arbeitszeit nach oben bisher strikt ablehnt.Mit diesem Kompromiß soll verhindert werden, daß geleistete Mehrarbeit einfach unter den Tisch fällt, wie dies derzeit beispielsweise bei vielen Software-Unternehmen der Fall sei, heißt es bei der IG Metall.Zudem werde bislang oftmals noch länger als die von der IG Metall eingeräumte Obergrenze von 43 Stunden gearbeitet.Die Beschäftigten sollen die Mehrarbeitszeiten zum Beispiel in Form von Blockfreizeiten, Freizeit für zusätzliche Qualifizierung oder durch eine vorgezogene Altersteilzeit ausgleichen können.Die Regelarbeitszeit der Debis-Beschäftigten kann dabei variieren: zwischen 35 Stunden für bisher tarifgebundene und 40 Stunden für derzeit tariffreie Beschäftigte.Nach Vorstellung der IG Metall soll die Arbeitszeit auch nach unten variabel sein und den Aufbau negativer Zeitkonten ermöglichen.Außerdem strebt die IG Metall eine Absenkung der Arbeitszeit mit höherem Lebensalter an.IG Metall und Arbeitgeberseite reden darüber, daß für alle Beschäftigten spätestens ab dem 55.Lebensjahr die 35-Stunden-Woche gelten soll.Auch bei der Entlohnung will die IG Metall neue Wege gemeinsam mit der Debis gehen.Angedacht ist ein Jahreszielgehalt aus 12 festen Monatsentgelten, in die das bisherige zusätzliche Urlaubsgeld eingerechnet wird.Zusätzlich soll eine variable Jahreszahlung geleistet werden, die zur Hälfte von der Zielerreichung bzw.der Leistungsbeurteilung abhängt und zur Hälfte vom Unternehmenserfolg.Einbezogen sind in die Verhandlungen etwas mehr als die Hälfte der Debis-Beschäftigten.Insbesondere geht es um die Bereiche IT-Services und Finanzdienstleistungen.Ob sich weitere Debis-Bereiche anschließen, scheint noch offen.Hinter den Verhandlungen mit Debis steht das Bestreben der IG Metall auch im Dienstleistungsbereich als Tarifpartner am Ball zu bleiben.

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