Wirtschaft : IG Metall gewinnt klar bei VW Sexaffäre hat keine Folgen für Betriebsratswahl

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Berlin - Mit großer Erleichterung hat die IG Metall auf das Ergebnis der Betriebsratswahlen bei Volkswagen reagiert. Trotz der so genannten VW-Affäre, in deren Zusammenhang der langjährige Betriebsratschef Klaus Volkert im vergangenen Sommer zurückgetreten war, konnte die IG Metall ihr Ergebnis gegenüber den letzten Wahlen verbessern. IG-Metall-Chef Jürgen Peters freute sich: „Es sind all diejenigen in Politik und Publizistik Lügen gestraft worden, die gehofft haben, die Affären der vergangenen Monate zum Anlass nehmen zu können, um das Modell der Mitbestimmung bei Volkswagen und in der gesamten Republik in Misskredit bringen zu können“, sagte Peters am Freitag in Frankfurt. Von 248 Betriebsratsmandaten gewann die IG Metall 227. Die Christengewerkschaft kam auf acht Sitze, sonstige Gruppierungen kamen auf 13 Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,6 Prozent; gewählt wurde in den sechs westdeutschen Werken, in denen VW rund 100 000 Beschäftigte hat.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Belegschaft habe durch die Wahl ein „klares Signal gesetzt“. Er warf Vorstand und Management, „aber auch politischen Kräften“ vor, die „innovative Mitbestimmung bei Volkswagen schon ad acta gelegt zu haben“. Doch das Wahlergebnis zeige, „dass wir für unsere Politik die Belegschaft eindeutig hinter uns haben“. Die Kollegen könnten unterscheiden zwischen „möglichen Verfehlungen Einzelner und einer Arbeitnehmervertretung, die sich engagiert, mutig und kreativ für ihre Interessen einsetzt“. Osterloh verhandelt seit einigen Wochen mit dem VW-Management über eine Restrukturierung bei der Kernmarke VW, die rund 20 000 Mitarbeiter betrifft. „Wir müssen die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der Marke Volkswagen weiter ausbauen und dafür einen vernünftigen Weg finden“, sagte der Betriebsratschef.

Osterloh war vergangenen Juli an die Stelle von Volkert gerückt, der jahrelang auf Kosten von VW aufwändige Reise unternommen und eine Freundin in Brasilien unterhalten hatte. Auf Volkert kommt womöglich eine Schadenersatzforderung von VW in Millionenhöhe zu. Im Rahmen der Affäre um Scheinfirmen, Luxusreisen und Bordellbesuche musste auch VW-Personalvorstand Peter Hartz zurücktreten.

Auf Osterloh, den langjährigen zweiten Mann hinter Volkert, fiel damals auch ein Schatten der Affäre. Deshalb veröffentlichte er im vergangenen Sommer sein Gehalt (6500 Euro brutto); Volkert war gut das Dreifache nachgesagt worden. Von den aufwändigen Reisen von Betriebsräten distanzierte sich Osterloh. Er habe sich nach seiner Wahl zum stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden 2004 „mit Kollegen abgestimmt, dass es diese Reisen nicht mehr geben wird, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind“.

Nach der Wahl der einzelnen Betriebsräte stehen nun in den kommenden Wochen die konstituierenden Sitzungen der Gremien sowie die Wiederwahl Osterlohs an. Danach dürften dann die Sanierungsverhandlungen mit der VW-Spitze Schwung bekommen. alf

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