Wirtschaft : IG Metall: Heavy Metal

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Dem Beispiel der Gewerkschaften in Italien, Frankreich und Großbritannien folgend hat die IG Metall eine Streikwelle gestartet, um ihre Forderungen nach 6,5 Prozent Lohnzuwachs für 3,6 Millionen Arbeitnehmer durchzusetzen. Forderungen, die zeigen, wie sehr die Gewerkschaften auch in Deutschland von der ökonomischen Realität im globalen Markt abgekoppelt sind. Sie gefährden Wachstum und helfen gleichzeitig, die linken Regierungen zu Fall zu bringen, mit denen sie verbündet sind. Bundeskanzler Gerhard Schröder reagiert nervös. Sollte er die Bundestagswahlen verlieren, so sieht er eine Schuld bei den Gewerkschaften, die seinem Drängen, auf Streiks zu verzichten, nicht nachkommen wollten. Die Stimmungslage in der Wirtschaft soll sich zwar verbessert haben, doch so optimistisch sich die Branchen auch geben mögen, sie stellen keine zusätzlichen Arbeitskräfte ein. Genau wie die Linke anderswo in Europa - mit Ausnahme von Tony Blair - sind auch Kanzler Schröders Sozialdemokraten nicht gewillt, strukturelle Wirtschaftsreformen anzugehen und speziell den Arbeitsmarkt zu reformieren. Ein archaisches System von Tarifabschlüssen, hohen Lohnzusatzkosten und starren Arbeitsmarktregulierungen sorgt dafür, dass Deutschlands Arbeitnehmer in vielen globalen Industrien nicht wettbewerbsfähig sind. Nach dem Skandal um die geschönten Vermittlungsstatistiken der Arbeitsämter haben die Sozialdemokraten für den Fall ihrer Wiederwahl eine Arbeitsmarktreform angekündigt. Eine umfassende Änderung der Arbeitsmarktregulierungen und Änderungen am Steuer- und Sozialhilfesystem - was den Anreiz zu arbeiten, erhöhen würde - haben sie jedoch nicht versprochen. Allerdings ist auch nicht klar, was Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im Falle seines Wahlsieges zu unternehmen gedenkt; abgesehen von der Äußerung, dass er Mitspracherechte der Arbeitnehmervertreter einschränken will. Arbeitnehmervereinigungen haben ihre Rolle in der Demokratie. Doch die europäischen Gewerkschaften haben in Zusammenarbeit mit linken Parteien ihre Verhandlungsmacht auf Kosten der Arbeitslosen und der Wirtschaft insgesamt ausgedehnt. Wie in Frankreich ist die Zeit reif für Veränderungen. Die Frage ist nur: Wer hat die Kraft, sie in die Wege zu leiten?

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