IG Metall : Huber löst Peters ab

Berthold Huber wird den Chef der IG Metall, Jürgen Peters, im November ablösen. An seiner Seite steht künftig der neue zweite Vorsitzende Detlef Wetzel.

Alfons Frese
IG Metall
Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, löst den Chef der Gewerkschaft, Jürgen Peters (l.) im November ab. -Foto: dpa

Berlin – Nach einem zähen Ringen der unterschiedlichen Strömungen hat sich der Vorstand der IG Metall auf die Kandidaten für die neue Führung verständigt. Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren war, gab es keinen Dissens um die Besetzung der Position des ersten Vorsitzenden: Berthold Huber (57), bislang zweiter Vorsitzender und damit die Nummer zwei nach Jürgen Peters, soll auf dem Gewerkschaftstag Anfang November zum neuen Chef gewählt werden. Der 63-jährige Peters geht dann in den Ruhestand. Anstelle Hubers soll der bisherige Bezirksleiter von Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel (53), zweiter Vorsitzender werden. Damit Huber seinen Favoriten Wetzel gegen das Peters’ Lager durchsetzen konnte, musste er allerdings personalpolitische Konzession machen: So rückt der Peters’ Vertraute und bisherige Leiter des Bereichs Gesellschaftspolitik/Grundsatzfragen, Hans-Jürgen Urban, in den geschäftsführenden Vorstand auf. Ferner kommt die Tarifsekretärin des Bezirks Niedersachsen, Helga Schwitzer, ebenfalls eine Vertraute von Peters, neu in den Vorstand. Für diese beiden müssen zwei als moderat geltende Vertreter ihre Position räumen. Das Verhältnis von moderaten oder pragmatischen Mitgliedern zu eher linksorientierten verändert sich deshalb im Vorstand von zuletzt 5:2 auf 4:3. Anders gesagt: Die Linke bekommt mehr Gewicht als Ausgleich für die Doppelspitze Huber/Wetzel.

Die Nominierung der Vorstandskandidaten, die allesamt Anfang November von den Delegierten des Gewerkschaftstages in Leipzig gewählt werden müssen, war mit Spannung erwartet worden. Vor vier Jahren hatte es die IG Metall beinahe zerrissen, als es in Folge des verlorenen Streiks in Ostdeutschland zu einem erbitterten Kampf um den ersten Vorsitz gekommen war. Der langjährige Chef Klaus Zwickel trat damals vorzeitig zurück und Peters und Huber einigten sich auf ein Führungsmodell, zu dem auch die Ablösung Peters durch Huber im Herbst 2007 gehört. An diese Verabredung hat sich Peters gehalten. Damit er selbst aber einen guten Abgang bekommt, war erwartet worden, dass er den NRWler Wetzel als zweiten Vorsitzenden nur unter bestimmten Bedingungen akzeptieren würde. In der Krise des Sommers 2003 war der damalige IG Metall-Chef von Siegen, eben jener Detlef Wetzel, mit der forschen Bemerkung „Peters muss weg“ aufgefallen. Doch in den folgenden Jahren, Wetzel war inzwischen zum Bezirksleiter aufgestiegen, überzeugte Wetzel auch mit Taten: Neue Mitgliederkampagnen, die Verlagerung von Tarifauseinandersetzungen auch in die Betriebe, die Forderung und Förderung von Innovationen unter dem Motto „Besser statt billiger“ sowie der Kampf gegen den überbordenden Einsatz von Leiharbeitern hat Wetzel in der IG Metall insgesamt viel Respekt eingebracht.

Respektiert als kluger Kopf wird auch Hans-Jürgen („Hansi“) Urban. Der 46–Jährige Politologe ist eine Art sozialpolitischer Vordenker der IG Metall. Oder auch Chefideologe. Wie so mancher Linke im Gewerkschaftslager verneint Urban beispielsweise den Zusammenhang zwischen der Höhe der Lohnzusatzkosten und der Höhe der Arbeitslosigkeit. Auch deshalb kommt für ihn eine Auflösung der paritätischen Finanzierung der Sozialversicherungen durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht in Frage. Ob Urban allerdings großen Einfluss auf den künftigen Kurs der IG Metall haben wird, ist fraglich. Als Bereichsleiter fiel er in den öffentlichen Debatten der vergangenen vier Jahre kaum auf. Anders gesagt: Die IG Metall hat zuletzt keine große Rolle mehr gespielt in der sozialpolitischen Auseinandersetzung.

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