IG-Metall-Kongress : Wulff lobt Gewerkschaften für Lohnzurückhaltung

Der Bundespräsident bedankt sich beim IG-Metall-Kongress in Karlsruhe bei der Gewerkschaft. Gleichzeitig geißelte er die Gier der Akteure an den Finanzmärkten.

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Bundespräsident Christian Wulff hat sich bei der IG Metall bedankt. „Sie haben Maß gehalten in Zeiten, als andere jedes Maß verloren haben“, lobte Wulff am Sonntagabend bei der Eröffnung des Gewerkschaftstages der IG Metall in Karlsruhe. Es sei auch das Verdienst der IG Metall, die „schwierige Jahre der Lohnzurückhaltung“ hinter sich habe, dass die Bundesrepublik besser als andere durch die Krise gekommen sei. Auf der anderen Seite attackierte Wulff die Gier der Akteure an den Finanzmärkten und reklamierte eine neuen Ordnungsrahmen für Banken und Spekulanten: „Die Deregulierung in den letzten zwei Jahrzehnten ging zu weit und wurde missbraucht“, sagte Wulff unter dem Beifall der Metaller.

Wulff und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehörten zu den Rednern auf der Eröffnungsveranstaltung des alle vier Jahre stattfindenden Gewerkschaftstages. Eine Woche lang befassen sich in Karlsruhe rund 500 Delegierte mit einigen hundert Anträgen zu allen möglichen wirtschaftlichen und politischen Fragen. Ferner steht die Wahl des Vorstands an, Berthold Huber kandiert erneut für das Amt des Vorsitzenden. „Pragmatisch und erfolgreich“, so qualifizierte Kretschmann den IG Metall-Chef.

Sowohl Huber als auch Wulff betonten in ihren Reden die Bedeutung der Mitbestimmung als „Partnerschaft auf Augenhöhe“ für den Erfolg der Unternehmen und der Industrie insgesamt. „Nirgendwo in der Welt gibt es so eine Unternehmenskultur“, sagte Wulff. Nur wo kooperativ zusammengearbeitet werde, sei die Produktivität hoch. Ausdrücklich begrüßte Wulff die aktuelle Debatte über „Burn-Out“ und ermunterte die Gewerkschaften, sich künftig noch stärker um Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz zu kümmern.

„Es ist gut, dass sich Deutschland nicht von der Industrie verabschiedet hat“, sagte der Bundespräsident und erinnerte an diverse Protestaktionen in seinem Heimatland Niedersachsen für den Erhalt von Arbeitsplätzen. „Jede Demonstration für industrielle Arbeitsplätze hat sich gelohnt“, sagte Wulff. Als „Schlüsselfrage“ für die Zukunft der Industrie bezeichnete er die Energiewende, die den Strukturwandel beschleunige. Er betonte auch die Notwendigkeit eines funktionierenden Bildungssystems: „Ohne Bildung keine Ausbildung, ohne Ausbildung keine Innovation.“ Alfons Frese

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