Wirtschaft : IG Metall ruft Tausende zu Warnstreiks

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Berlin - Mit bundesweiten Warnstreiks ab Mitternacht hat die IG Metall die entscheidende Phase der diesjährigen Tarifrunde eingeläutet. Um 24 Uhr am Dienstag endete die Friedenspflicht im Westen, sodass es bereits hier und da um 00.00 Uhr Protestaktionen gab. So rief die Gewerkschaft die Berliner Osram-Beschäftigten in Spandau direkt um Mitternacht zu einer Kundgebung vor das Werktor. Um 9.00 Uhr sollte eine Kundgebung bei Daimler-Chrysler in Marienfelde folgen. Bundesweit standen bei den ersten Protesten Autokonzerne und ihre Lieferanten im Mittelpunkt, doch auch zahlreiche Maschinenbauer waren betroffen. Die Warnstreiks begonnen hatte bereits am Dienstagmorgen das BMW- Werk in Leipzig. Das war möglich, da in Ostdeutschland bereits keine Friedenspflicht mehr galt. Nach Angaben der IG Metall versammelten sich rund 1200 der 2300 BMW-Mitarbeiter für eine Stunde vor dem Werk in Leipzig.

Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft die Kompromissbereitschaft der Arbeitgeber fördern. Gewerkschaftschef Jürgen Peters, der um Mitternacht zu den Ford-Beschäftigten in Saarlouis sprach, warf den Arbeitgebern vor, die Streiks provoziert zu haben. „Wenn die Arbeitgeber 67 Tage nach der Bekanntgabe der Forderung und nach 30 regionalen Verhandlungen immer noch kein Angebot vorlegen, dann sind sie für Warnstreiks selbst verantwortlich“, sagte Peters.

Der Gewerkschaftsvorsitzende äußerte sich geradezu erbost darüber, dass die Arbeitgeber während der Friedenspflicht kein konkretes Angebot vorgelegt haben und drohte mit Konsequenzen. „Wenn die Arbeitgeber die Friedenspflicht missachten und darauf pfeifen, dann werden wir uns in der IG Metall die Frage stellen, ob wir sie in Zukunft einhalten müssen“, ließ Peters in einer Presseerklärung verbreiten.

Die IG Metall will fünf Prozent mehr Lohn und erstmals in einem Tarifvertrag betriebliche Prozesse zur Qualifizierung regeln. Die Arbeitgeber lehnen Letzteres als überflüssig ab und haben einen Lohnzuschlag in Höhe der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung, die sie bei 1,2 Prozent veranschlagen, ins Gespräch gebracht. Dazu schlagen sie eine Einmalzahlung vor, die also nicht in die Lohntabellen eingeht und entsprechend nicht dauerhaft von den Betrieben getragen werden muss. Ferner wollen die Arbeitgeber eine Öffnungsklausel zur Verlängerung der Arbeitszeit, wenn Betriebe zusätzliches Personal einstellen, und einen separaten Tarifvertrag für Dienstleistungsbeschäftigte wie Kantinenpersonal oder Wachschutz. alf

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