Wirtschaft : IG Metall setzt VW ein Ultimatum

Bis Mitte nächster Woche sollen verbindliche Investitionszusagen für sechs Werke vorliegen

Alfons Frese

Berlin - Die Tarifgespräche bei Volkswagen schleppen sich von Termin zu Termin. Am Freitag kamen sich beide Seiten kaum näher. Die IG Metall setzte daraufhin dem Unternehmen eine Frist bis zum 27. September. „Bis zum kommenden Mittwoch muss Volkswagen sich definitiv erklären, sonst werden die Tarifgespräche abgebrochen“, sagte Hartmut Meine, Verhandlungsführer der Gewerkschaft, nach dem Gespräch. VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh hatte am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung bereits für diesen Freitag mit dem Ende der Verhandlungen gedroht. „Wenn sich nichts bewegt, dann ist Schluss mit lustig und wir brechen die Gespräche ab“, hatte Osterloh vor 15 000 VW-Beschäftigten im Wolfsburger Stammwerk angekündigt. Nun geht es immerhin am nächsten Mittwoch mit den Gesprächen weiter.

VW will die Arbeitszeit von derzeit 28,8 Wochenstunden auf 35 erhöhen – ohne für die Mehrarbeit zu bezahlen. Begründet wird das mit der schlechten Ertragssituation vor allem der sechs westdeutschen Werke. Neben Wolfsburg, wo der Golf gebaut wird, sind das Emden (Passat), Salzgitter (Motoren), Hannover (Transporter und Gießerei), Braunschweig (Achsen und andere Komponenten) sowie Kassel (Getriebe und zentrales Ersatzteillager). VW hat Überkapazitäten, die Werke sind zu unproduktiv und die Arbeitskosten zu hoch. Derzeit versucht der Konzern bereits mit Abfindungen und Vorruhestandsregelungen auf freiwilliger Basis rund 20 000 der 100 000 Arbeitsplätze abzubauen.

Die IG Metall befürchtet, dass durch die Verlängerung der Arbeitszeit noch mehr Stellen überflüssig werden und lehnt darüber hinaus längere Arbeitszeiten ohne jeden Lohnausgleich ab. Dennoch ist die Gewerkschaft zu Zugeständnissen bereit, wenn es im Gegenzug verbindliche Investitions- und Produktzusagen für die sechs Standorte gibt. Das Hauptaugenmerk gilt dabei Wolfsburg, wo der Golf gebaut wird. Das Unternehmen hat damit gedroht, den Nachfolger des aktuellen Golf nicht mehr dort bauen zu lassen, wenn es bei den Arbeitskosten keine Bewegung gibt.

Nach Angaben der IG Metall waren die VW-Vertreter am Freitag „erneut zu keinerlei verbindlichen Zusagen bereit“. Es habe zwar leichte Annäherung gegeben, aber keine Zusagen für den nächsten Golf und darüberhinaus für ein weiteres Fahrzeug in Wolfsburg, wie es sich die Gewerkschaft zur Kapazitätsauslastung wünscht. Dagegen ließ VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes mitteilen, man „habe für jeden der sechs Standorte mögliche Zusagen für Produkte und Komponenten auf den Tisch gelegt, die sich unter der Voraussetzung einer 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich rechnen“. Die Zusagen würden eine branchenübliche Auslastung der Werke sicherstellen. „Wir sind heute der IG Metall einen Schritt entgegengekommen und haben ein Angebot gemacht“, sagte Dierkes.

Dagegen vermisste Meine nach wie vor eine „beschäftigungspolitische Lösung“ für die sechs Werke. Er betonte das Interesse von Gewerkschaft und Betriebsrat „an einer Lösung der schwierigen Situation“, und bezweifelte gleichzeitig, „dass alle Vorstandsmitglieder vom gleichen Interesse geleitet werden“. VW bewege sich „im Zeitlupentempo, eine Einigung ist so nicht möglich“. Die IG Metall habe Lösungsvorschläge erarbeitet, „auf die das Unternehmen bis heute nicht adäquat reagiert hat“, sagte Meine. Betriebsratschef Osterloh hatte am Mittwoch VW-Vorstand Wolfgang Bernhard gewarnt, „sich gegen eine ganze Belegschaft und letztendlich auch gegen eine ganze Stadt und Region zu stellen“.

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