Wirtschaft : IG Metall verlangt von Siemens Garantien

MÜNCHEN/BERLIN (tmh/chi).Die Berliner IG Metall hat Vereinbarungen über die Auswirkungen des Umbaus der Siemens AG auf die Berliner Werke gefordert.Ein Eckpunkt müsse die Sicherung der Arbeitsplätze, einschließlich einer befristeten Beschäftigungssicherung, sein, erklärte der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft, Arno Hager, am Montag.Die Tarifbindung müsse erhalten bleiben und die Übernahme der Siemens- Beschäftigungsbedingungen gewährleistet werden, insbesondere der Altersvorsorge.Da Siemens nicht bereit sei, eine Gesamtvereinbarung mit der Gewerkschaft zu schließen, würden jetzt die Beschäftigten in jedem einzelnen Werk mobilisiert.

Bei der Umstrukturierung des Siemens-Konzerns sollen nach Angaben der IG Metall in Berlin rund 1500 Beschäftigte ausgegliedert werden.Dies betreffe das Röhrenwerk mit 450 Beschäftigten, das Lichtwellenleiterwerk mit rund 550 Mitarbeitern und das Relaiswerk mit rund 600."Der Zeitplan der Ausgliederung ist offen, die Rolle der Berliner Werke in den neuen Unternehmen liegt im Dunkeln und die Frage des Erhalts der Tarifverträge und der sozialen Leistungen ist unbeantwortet."

Neben den Ausgliederungen sei auch das Siemens Dynamowerk mit 700 Beschäftigten betroffen.Dort sollen 200 Stellen abgebaut werden.Im Werk der Siemens Verkehrstechnik in Treptow mit 1400 Mitarbeitern stehe eine Neuordnung an, weil sich die Erwartungen, die mit dem Aufbau Elsenstraße verbunden waren, nicht erfüllt hätten.Auch bei den Technischen Diensten der Siemens Zweigniederlassungen mit bundesweit 13 500 Beschäftigten, davon 850 in Berlin, würden Einbußen befürchtet.Siemens wolle einen neuen Tarifvertrag, der eine Senkung der Jahreseinkommen um bis zu zehn Prozent bei gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit um ebenfalls zehn Prozent vorsehe.

Im Unternehmen selbst wollte man sich zu den Forderungen nicht äußern.Über die Neuordnung des Bereichs Verkehrstechnik (VT), der mit einem Minus von 760 Mill.DM zu den größten Verlustbringern des Konzerns gehört, liefen gegenwärtig Gespräche mit allen Beteiligten, sagte VT-Sprecherin Christine Auer.Gerüchte über eine Schließung des Werkes in Treptow oder den vollständigen Rückzug aus Berlin, wo die Sparte seit 1994 ihren Hauptsitz hat, verwies sie in den Bereich der Spekulation."Entscheidungen gibt es noch nicht", sagte Auer.

Der Bereich Halbleiter (HL) der Siemens AG will im Laufe des kommenden Geschäftsjahrs 1999/2000 für den geplanten Börsengang bereit sein und in die Gewinnzone zurückkehren.Das kündigte HL-Chef Ulrich Schumacher in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" an.Spätestens bis März 1999 soll der derzeit hochdefizitäre Bereich in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert sein.Bis Oktober 1999 müßten dann die Strukturen für einen Börsengang stehen.Zugleich strebe HL Kooperationen an."Im Massengeschäft der Speicherchips können wir uns mit einer Kooperation besser behaupten", sagte der HL-Chef.Dort werde man möglicherweise eine Allianz eingehen.In einer ähnlichen Lage wie der noch zu Siemens zählende HL-Bereich seien der US-Konzern IBM oder die japanischen Produzenten, sagte Schumacher, der drei bis vier Kooperationspartner sieht.Speicherchips waren in der vergangenen Periode für einen Rekordverlust des HL-Bereichs von 1,2 Mrd.DM vor Steuern verantwortlich.Kleinere Kooperationen peilt der HL-Chef auf Spezialgebieten bei Logikchips an.Eine "große Fusion" würde die eigene Marktstellung dagegen nicht verbessern.

Einen in der Belegschaft befürchteten "krassen" Stellenabbau werde es nicht geben.Punktuell könne es zu "Anpassungen" kommen.In der Summe werde ungeachtet der jüngst beschlossenen Schließung eines britischen Chipwerks aber eher aufgebaut.Die zuletzt als gefährdet eingestufte Chip-Fabrik in Frankreich werde man "nach dem jetzigen Stand der Dinge halten können", schätzte Schumacher.Ob die deutsche HL-Belegschaft in ihrem jetzt geltenden Tarifvertrag verbleibe, wollte er nicht sagen.

Unter dem Strich sieht Schumacher durch die Ausgliederung und den geplanten Börsengang des HL-Bereichs "mehr Chancen als Risiken".So sei es nach einem Börsengang möglich, per Aktientausch zu Verflechtungen mit anderen Herstellern zu kommen.Abgesehen vom Problemgebiet Speicherchips sei der HL-Bereich profitabel und im globalen Chipmarkt gut positioniert.1998/99 würden die HL-Verluste "deutlich" verringert.

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