Wirtschaft : IG-Metall-Vize Peters stößt Modernisierungsdebatte an

BERLIN (alf/uwe).Die Arbeitgeberverbände werten den überraschenden Vorschlag des IG-Metall-Vizechefs Jürgen Peters, das Weihnachtsgeld künftig ertragsabhängig zu gestalten, als Beginn einer Modernisierungsdebatte in der Metallgewerkschaft.Der Vorschlag von Peters sei der erste der Metallgewerkschaft, mit dem sie deutlich von ihrer Doktrin abweiche.Demnach formuliert der Tarifvertrag lediglich Mindestbedingungen, die unbedingt einzuhalten sind.Nun setze Peters vor dem großen Metallkongreß Signale, die vor allem nach innen gerichtet seien, spekulieren die Metallarbeitgeber: Die IG Metall wird Anfang Oktober auf einem mehrtägigen Modernisierungskongreß in Hamburg über die Zukunft der Tarifpolitik beraten.

Der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, sagte gegenüber dem Tagesspiegel, "auch die Gewerkschaften müssen akzeptieren, daß die Tarifpolitik auf veränderte Rahmenbedingungen eingehen muß"."Betriebliche Nähe und Flexibilität" seien dazu erforderlich.Die IG BCE habe gute Erfahrungen gemacht mit einem Entgeltkorridor, der den Betrieben in wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Kürzung des Monatslohns um bis zu zehn Prozent ermöglicht."Wir haben im Tarifvertrag den Rahmen definiert und überlassen den Betriebsparteien die Ausgestaltung", sagte Schmoldt weiter.Der Entgeltkorridor lasse Abweichungen in beide Richtungen zu.Ferner kann in der Chemie-Industrie die Zahlung des Weihnachtsgeldes gestreckt werden.Das alles sind "Instrumente, um Arbeitsplätze zu sichern", sagte Schmoldt.

Peters hatte in einem Beitrag für die gewerkschaftlichen Monatshefte vorgeschlagen, das Weihnachtsgeld von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens abhängig zu machen."Nach guten Jahren gibt es mehr, nach schlechten Jahren weniger, aber immer den Mindestsatz", schreibt Peters.Ein flexibles Weihnachtsgeld steht seit 1997 im Forderungskatalog der Arbeitgeber.Mit dem Peters-Vorschlag räume die IG Metall ein Modernisierungsdefizit ein, für dessen Abbau "es noch nicht zu spät ist", sagen nun die Arbeitgeber.Allerdings gebe es im Augenblick keinen Verhandlungsbedarf in Tarifangelegenheiten, so daß noch nicht überprüfbar sei, ob Peters für seinen Vorschlag auch die Zustimmung der Gewerkschaft habe.Für Claus Schnabel, Tarifexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, sind ertragsabhängige Lohnelemente "nur dann sinnvoll, wenn es in beide Richtungen geht".Wenn sich die Tarifparteien aber tatsächlich auf solche flexiblen Instrumente einigen könnten, "würden wesentliche Streitpunkte aus der Tarifpolitik rausgenommen".Peters gelte zwar als Hardliner und repräsentiere "die mit Abstand dominierende Gruppe in der IG Metall", sagte Schnabel.Insbesondere in seiner Zeit als niedersächsischer IG-Metall-Chef habe Peters aber auch gezeigt, daß "er für unkonventionelle Ideen gut ist", wie etwa die Vier-Tage-Woche bei VW.Auch mit Blick auf Peters kritisierte der IG BCE-Vorsitzende Schmoldt scharf die ständigen Appelle anderer Gewerkschafter zum Abbau von Überstunden: "Ich ärgere mich über alle, die den Abbau von Mehrarbeit als Wundermittel gegen die Arbeitslosigkeit verkaufen", sagte Schmoldt.Dabei hätten die meisten Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen das Thema "nicht ernsthaft angepackt".In der Chemie dagegen sei grundsätzlich ein Freizeitausgleich für Überstunden geregelt, wodurch die durchschnittliche Mehrarbeit in der Branche auf 0,4 Wochenstunden gesunken sei."Jeder sollte das machen und nicht darüber reden", sagte Schmoldt.In der Industrie insgesamt liege der Durchschnittswert bei 1,3 Stunden.

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