• IG Metall will bei VW vier Prozent mehr Konzern will aber 30 Prozent sparen/Druckmaschinenfirmen und Märklin wollen auch Kosten drücken

Wirtschaft : IG Metall will bei VW vier Prozent mehr Konzern will aber 30 Prozent sparen/Druckmaschinenfirmen und Märklin wollen auch Kosten drücken

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Berlin Der Streit um längere Arbeitzeiten und geringere Kosten geht in eine weitere Runde. Für die VW-Beschäftigten forderten die Arbeitnehmervertreter am Donnerstag eine Lohnerhöhung um vier Prozent. Das ist kaum vereinbar mit den Vorstellungen des VW-Vorstands, der bis 2011 die Arbeitskosten um 30 Prozent reduzieren will (siehe Kasten). Auch die drei großen Hersteller von Druckmaschinen bemühen sich gegenüber der IG Metall um eine Kostenentlastung. MAN Roland, Heidelberger Druckmaschinen sowie die Würzburger König&Bauer leiden unter dem Preisdruck auf den Weltmärkten. In der Druckmaschinenbranche arbeiten hierzulande rund 40000 Personen. Beim Modelleisenbahnhersteller Märklin wurde unterdessen bekannt, dass am Stammsitz im schwäbischen Göppingen bis zu 400 von 1033 Mitarbeitern von der Entlassung bedroht sind. Das Unternehmen will die Kosten um 15 Prozent senken.

Bei VW will die IG Metall über Geld und Arbeitsplatzgarantien verhandeln. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hartmut Meine, bezeichnet die gegenwärtige Lage bei VW als „nicht rosig“. Solange VW aber „eine Dividende zahlen kann, haben auch die Beschäftigten Anspruch auf Teilhabe an den Gewinnen.“ Meine sagte weiter, die IG Metall wolle „die Chancen für konkrete Arbeitsplatzgarantien ausloten. Wir werden aber nicht zulassen, dass die VW-Beschäftigten abgezockt werden.“ Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Volkert sagte, die Tarifrunde finde unter „äußerst schwierigen“ Bedingungen statt. „Die Automärkte sind schwach, und politisch bläst uns der Wind ins Gesicht.“ Das Ziel des Betriebsrats sei, „dass unsere Arbeitsplätze langfristig zu guten Bedingungen gesichert sind und das Entgelt stimmt“. Volkert hatte vor wenigen Tagen geäußert, die Sicherheit der Arbeitsplätze sei ihm wichtiger als eine Lohnerhöhung um 1,5 Prozent.

Neben Einkommenserhöhung und Arbeitsplatzsicherheit will sich die IG Metall in den Tarifverhandlungen mit dem demografischen Wandel befassen. Der Vorschlag des Unternehmens, eine so genannte demografische Arbeitszeit einzuführen, greife zu kurz. Es gehe nicht nur um eine altersgerechte Arbeitszeit, sondern um gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen. Die Tarifverträge bei VW laufen am 30. September 2004 aus. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 15. September vorgesehen. Vor knapp zwei Jahren hatten sich beide Seiten auf die Erhöhung der Entgelte um 3,1 Prozent für zwölf Monate ab dem 1. Februar 2003 und um weitere 2,6 Prozent sowie Einmalbeträge von 120 Euro für die Monate Oktober bis Dezember 2002 und 400 Euro im Mai 2004 verständigt.

Beim Eisenbahnhersteller Märklin hieß es am Donnerstag, die Geschäftsführung wolle „möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland“ erhalten. Geschäftsleitung und Betriebsrat hatten zu Jahresbeginn einen Beschäftigungssicherungsvertrag unterzeichnet. Dieser sah vor, dass es bis zum Jahr 2008 keine betriebsbedingten Kündigungen geben sollte. Im Gegenzug wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit vereinbart. Im Juli kündigte die Geschäftsleitung den Vertrag jedoch, wie Michael Gustke von der IG Metall Göppingen auf Anfrage sagte.

In den aktuellen Verhandlungen mit dem Betriebsrat hat die Geschäftsführung laut Gustke mehrere Optionen angeboten. Erstens: weiterarbeiten wie bislang und dann bis zu 400 Stellen abbauen. Zweitens: die Wochenarbeitszeit auf 33 Stunden und entsprechend die Entgelte senken; die Arbeitnehmer sollten aber 35 Stunden arbeiten. Nach dieser Variante würden gut 300 Mitarbeiter entlassen. „Dieses Angebot der Geschäftsleitung ist eine Unverschämtheit“, sagte Gustke. Allenfalls über ein anderes Arbeitszeitmodell oder die Streichung von Weihnachtsgeld und einigen Urlaubstagen werde man mit der Geschäftsführung verhandeln. Früheren Angaben zufolge sind im Inland bei Märklin insgesamt 1725 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz stieg im Jahr 2002 – aktuellere Zahlen liegen nicht vor – um vier Prozent auf 170,5 Millionen Euro. Mehr als 70 Prozent des Umsatzes werden in Deutschland erzielt.alf/ny

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