Wirtschaft : IG Metall will die Sachsen isolieren

Tarifverhandlungüberraschend verschoben/Nachfolger für ostdeutschen Gewerkschaftschef Düvel gehandelt

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Berlin (alf). Der Tarifkonflikt in der ostdeutschen Metallindustrie wird frühestens in der nächsten Woche entschieden. Die IG Metall teilte den sächsischen Arbeitgebern am Montag mit, „auf Grund dringend anderer Verpflichtungen“ seien frühestens am 24. Februar Verhandlungen möglich. Das überrascht, da die Gewerkschaft in den vergangenen Tagen wiederholt die rasche Übernahme des badenwürttembergischen Tarifabschlusses gefordert hatte.

Die Arbeitgeber in Sachsen wollten eigentlich am Mittwoch die Tarifverhandlungen wieder aufnehmen. Nun, nach der Verschiebung durch die IG Metall, will der sächsische Arbeitgeberpräsident Bodo Finger stattdessen am Mittwoch eine Pressekonferenz abhalten. Finger hatte bereits Ende letzter Woche moniert, dass der Tarifabschluss von Baden-Württemberg ein Abschluss „für Westdeutschland“ sei und für den Osten nicht in Frage komme, weil zu teuer. Die Sachsen würden ein eigenes Angebot vorlegen, „es ist ja nicht so, dass die Leute gar nichts kriegen sollen“, hatte Finger dem Tagesspiegel gesagt. In Baden-Württemberg war am Donnerstag eine Lohnerhöhung von 2,2 Prozent in diesem und weiteren 2,7 Prozent im kommenden Jahr beschlossen worden. Im Gesamtmetall-Vorstand hatten – bis auf Finger – alle Vertreter der Regionalverbände für die Annahme des Tarifkompromisses gestimmt.

Ob sich die übrigen ostdeutschen Arbeitgeberverbände nun mit den Sachsen solidarisieren, ist offen. Der Dachverband Gesamtmetall versucht derzeit, seine Regionalverbände auf eine Linie zu bringen. Allerdings schwindet so langsam auch bei Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser die Geduld mit den renitenten Sachsen. So ist nicht ausgeschlossen, dass die übrigen Ostverbände den Abschluss aus dem Westen übernehmen – die Sachsen stünden allein da. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME) will bis Ende der Woche über das weitere Vorgehen abstimmen. Die ostdeutschen Verbandschefs stimmten sich am Montagnachmittag bei Gesamtmetall ab. Danach hieß es das „das Pforzheimer Verhandlungsergebnis wird in den ostdeutschen Tarifgebieten an die regionalen Besonderheiten angepasst“. Am Dienstag werden die Verhandlungen in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen, am Tag darauf in Sachsen-Anhalt und am Donnerstag in Thüringen. Ebenfalls am Donnerstag treffen sich in Berlin die Geschäftsführer der IG Metall-Verwaltungsstellen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen zu einem Strategiegespräch. Dazu kommt aus Frankfurt Gewerkschaftschef Jürgen Peters. Diverse IG Metall-Vertreter hatten in den vergangenen Tagen mit Arbeitskampfmaßnahmen gedroht, wenn der Abschluss aus dem Westen nicht auch im Osten übernommen werde. Am Montag demonstrierten rund 1000 Beschäftigte der Aker-Werften in Rostock und Wismar für eine Übertragung des Pilotergebnisses aus Baden-Württemberg. In Berlin stehen derzeit keine Warnstreiks an, „weil wir von der Übernahme des Abschlusses ausgehen“, wie der Berliner IG Metall-Chef Arno Hager dem Tagesspiegel sagte.

Unterdessen einigten sich am Montag Arbeitgeber und IG Metall in den Bezirken Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern darauf, den Pilotabschluss zu übernehmen. Größeren Erörterungsbedarf gab es in NRW, wo 750000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten, bei den Details der Arbeitszeitkonten. „Der Tarifvertrag passt zur Leistungsfähigkeit der Betriebe in NRW“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Peter Gasse nach den Verhandlungen. In Bayern gilt der Abschluss für 720000 Beschäftigte.

Kommt Matic für Düvel?

Die Spekulationen über die Nachfolge des ostdeutschen IG Metall-Chefs Hasso Düvel bekommen derweil neuen Schwung. Wie es in Gewerkschaftskreisen hieß, favorisiere Düvel den Leiter des IG Metall-Büros in Düsseldorf, Friedhelm Matic. Matic selbst sagte dem Tagesspiegel, er sei „völlig überrascht über die Diskussion“. Mit ihm habe „niemand“ über eine Düvel-Nachfolge gesprochen. Den Posten des Bezirksleiters kann er sich aber vorstellen: „Ausschließen kann man in dieser Republik gar nichts“, sagte Matic. Als Kandidat wird auch Jochen Kletzin gehandelt, Leiter der IG Metall-Bildungsstätte in Berlin. Kletzin und Düvel standen am Montag für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Nach der Niederlage im Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche ist Düvel, der im vergangenen Sommer als Streikführer agierte, angeschlagen. Es wird erwartet, dass sich der 59-Jährige nach der aktuellen Tarifrunde, spätestens jedoch Ende des Jahres zurückzieht. Der Bezirksleiter wird von der Frankfurter Gewerkschaftsspitze ernannt.

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