Wirtschaft : IG Metall will starken Arbeitgeberverband

FRANKFURT (MAIN) (fk/HB).Der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, hat die Metall-Arbeitgeberverbände heftig kritisiert."Sie bemühen sich nicht um neue Mitglieder, sondern jammern stattdessen lauthals darüber, daß ihnen die alten weglaufen", sagte der Gewerkschaftschef.Die IG Metall wünsche sich starke Verbände, die in der Lage seien, Abweichler wieder auf Linie zu bringen.

Zwickel forderte die Metallunternehmen auf, in den Arbeitgeberverbänden zu bleiben: "Der IG Metall entkommen sie sowieso nicht", sagte der Gewerkschafter: In den vergangenen Monaten hätten sich die Haustarifverträge "explosionsartig" vermehrt, mit denen Tarifflüchtlinge von der Gewerkschaft wieder eingefangen würden.

Der jüngste Metall-Abschluß mit der Lohnerhöhung von 4,2 Prozent ist nach Zwickels Worten "selbst aus der Sicht der Unternehmer nicht annähernd so schlecht, wie ihn die Verbandsvertreter dargestellt haben." Tatsächlich könnten bei einer um fünf Prozent verbesserten Branchenproduktivität die Lohnstückkosten weiter sinken.Nach Zwickels Deutung wollen sich die Arbeitgeber in der Öffentlichkeit absichtlich als schwache Organisation darstellen, die von der IG Metall angeblich erpreßt wird."Die Arbeitgeber brauchen diese Opferrolle."

Für ihre Politik beschreiten die Metallverbände nach Zwickels Darstellung zwei Wege, die nicht weit führen.Zum einen seien Verbände ohne Tarifzuständigkeit gegründet worden, die aber nicht recht florierten.Zum anderen werde Mitgliedern durch Sonderkündigungsrechte eine Verbandsflucht erleichtert.Für einen Arbeitgeber sei es aber sinnlos, aus dem Verband auszutreten, um niedrigere Lohnkosten zu erreichen, warnte Zwickel.

Der IG Metall-Chef warnte vor einer Abkehr vom Flächentarifvertrag durch eine "Atomisierung" der Tarifpolitik.Bei Haustarifverträgen entwickelten sich die Laufzeiten in einer Branche total auseinander."Statt ein- oder zweimal im Jahrzehnt einen kurzen, kräftigen Flächenbrand gibt es dann heute hier ein kleines Feuer und morgen dort", sagte Zwickel.Er gestand allenfalls zu, daß für die Flächenverträge mehr Tarifbausteine benötigt würden.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat noch während Zwickels Pressekonferenz die Vorhaltungen der Metall-Gewerkschaft scharf zurückgewiesen."Die Gründe für die Erosion des Flächentarifvertrages liegen vor allem darin, daß die IG Metall den Unternehmen tarifvertragliche Konditionen aufzwingt, mit denen sie im internationalen Wettbewerb nicht zurecht kommen", sagte Verbandspräsident Werner Stumpfe.Es sei nicht damit getan, öffentlich Krokodilstränen zu vergießen, die Tarifverträge müßten in den Unternehmen auch den Praxistest bestehen.

Stumpfe sieht im Verlauf und im Ergebnis der Tarifrunde 1999 einen Rückschlag für die angestrebte "Neue Partnerschaft".Die IG Metall habe um des kurzfristigen Erfolges willen sämtliche Register gezogen.Wie viele Unternehmen jetzt zum Beispiel in einen Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung wechselten, "hängt einzig und allein davon ab, ob wir zusammen mit der IG Metall das Vertrauen in den Flächentarif wieder stärken können", sagte er.Als "Armutszeugnis" müsse bezeichnet werden, daß in der Metall- und Elektro-Industrie seit 1991 kein einziger Tarifvertrag ohne Warnstreiks oder Streiks zustande gekommen sei.

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