Wirtschaft : IG Metall will Umzug von Infineon verhindern Automobilsparte soll nach Österreich verlagert werden

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München (dpa). Die IG Metall will sich mit allen Mitteln gegen die Umzugspläne des HalbleiterKonzerns Infineon wehren. „Dass sich so eine Firma einfach aus dem Staub machen will, ist für mich völlig unverständlich“, sagte Wolfgang Müller, für die IG Metall im Infineon-Aufsichtsrat. Infineon habe über Jahrzehnte von staatlichen Hilfen profitiert. „Auf der anderen Seite ist die Firma nicht gerade als Steuerzahler berühmt.“ Der Infineon-Aufsichtsrat hatte am Montag einen möglichen Umzug diskutiert, aber keine Beschlüsse gefasst. Im Gespräch ist vor allem ein Wechsel in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Konzernchef Ulrich Schumacher will an diesem Dienstag auf einer Pressekonferenz zu dem Thema und anderen strategischen Fragen Stellung nehmen. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wird Infineon den Geschäftsbereich Automobil- und Industrie-Elektronik ganz ins österreichische Villach verlagern. Dies habe der Aufsichtsrat beschlossen. „Die Verlagerung der Automobil-Sparte ist der Anfang, weitere Schritte werden folgen“, zitiert die Zeitung Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Über einen möglichen Umzug der Zentrale in die Schweiz sei aber nicht entschieden worden. Bereits jetzt sind in Villach nach Angaben der Zeitung rund 2000 Beschäftigte der Automotive-Sparte tätig.

In Frage kommt für Schumacher auch eine Verlagerung der Konzernzentrale nach Singapur oder in die USA. Der Aufsichtsrat sollte sich entscheiden, ob es Sinn macht, einen Standort genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein Infineon-Sprecher betonte am Montag, damit werde noch nicht für oder gegen einen Umzug entschieden. Man sei noch in der Prüfphase. Gegen Ende des Geschäftsjahres im Herbst könne das Thema dann möglicherweise noch einmal in den Aufsichtsrat kommen. Laut Unternehmenskreisen favorisiert Schumacher derzeit die Schweiz. Hier sei ein Umzug einfacher zu bewerkstelligen. Zudem gebe es weniger Sprachprobleme. Von einem Umzug wären etwa 150 bis 200 Mitarbeiter in der zentralen Verwaltung betroffen. Erstmals würde sich ein Unternehmen freiwillig für einen Rückzug aus dem Deutschen Aktienindex Dax entscheiden. Dieser Faktor werde bei der Prüfung der Auswirkungen berücksichtigt, sagte der Sprecher.

Die IG Metall verwies darauf, dass der damalige Halbleiter-Bereich von Siemens schon in den 60er und 70er Jahren staatliche Unterstützung erhalten habe. Auch beim Bau des modernen Werks in Dresden gab es öffentliche Hilfe.

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