Wirtschaft : Ignaz Walter: Der schwäbische Bau-Napoleon

Thomas Magenheim

Eingefleischte Firmenpatriarchen lassen sich selten von Altersgrenzen beeindrucken. Das gilt vor allem für den Augsburger Bauunternehmer Ignaz Walter, der am Dienstag 65 Jahre alt wird. Auf das Altenteil wird sich der bekennende Leistungsfanatiker deshalb sicher nicht zurückziehen. Er wolle Spuren hinterlassen, meinte der gebürtige Augsburger einmal über sein Lebensziel. Dabei agiert der Architekt und Bauingenieur nicht zimperlich. "Die Holding bin ich," beschrieb der Mann mit dem Familienwappen auf seiner Krawatte vor einiger Zeit sein Verhältnis zur Macht in der eigenen Baugruppe. Nicht nur dieser Satz assoziiert eine gewisse Nähe zum französischen Sonnenkönig Louis XIV, der behauptet hatte "Der Staat bin ich".

Walter führe seinen Konzern wie einen "Bauchladen", kritisieren Mitarbeiter. Wenn er Widerstand spüre, beseitige er diesen, koste es, was es wolle. Vielleicht ist eine solche Mentalität nötig, um es wie Ignaz Walter, aus armen Verhältnissen kommend, vom Maurerlehrling zum Konzernherrscher zu bringen. Als ältestes von sechs Kindern, dem der Besuch einer Hochschule zunächst verwehrt blieb, zimmerte der Aufsteiger aus kleinsten Anfängen einen der führenden Bauriesen Deutschlands. In Abendkursen holte er die Hochschulreife nach und schaffte sein Diplom an der Fachhochschule Augsburg mit einem Notenschnitt von 1,43.

Seine eigentliche Karriere begann der Polterer, der hartnäckig gegen das Image vom "Baulöwen in wilder Natur" kämpft, 1960 als Statiker und Konstrukteur beim späteren Wettbewerber Hochtief. Bereits im Jahr darauf führte der Weg in die Selbstständigkeit. Zehn Jahre später zählte sein Unternehmen, die Universalbau Walter, gut 1000 Mitarbeiter. 1973 witterte der Augsburger die aufkommende Baukrise und verkaufte alles, um für die nächsten fünf Jahre Bücher zu schreiben und sein Geld mit Spekulationsgeschäften zu mehren.

1978 kehrte der kantige Bauunternehmer, dessen Vermögen heute auf 1,5 Milliarden Mark geschätzt wird, in die Branche zurück und baute binnen zwei Jahren den damals drittgrößten heimischen Baukonzern auf. Im weiteren Verlauf zog der begeisterte Kunstsammler nicht nur so manches Gemälde an Land. Er verschaffte sich mit der Walter Bau, Heilit und Wörner, Züblin und der Dywidag auch die Kontrolle über große Baukonzerne, die er lange zu einem von außen schwer durchschaubaren Konglomerat zu verschachteln wusste. Bis heute ist die Walter-Gruppe trotz Börsengängen von Teilen der Gruppe ein Familienunternehmen. Aufmüpfigen Aktionären, die ihn als einen "schwäbischen Bau-Napoleon" kritisieren, entgegnet Walter schon mal: "Sie Dünnbrettbohrer, ich habe in meinem ganzen Leben nur dicke Bretter gebohrt". Die eigene Branche bezichtigt der seit 1997 auch als Präsident des Deutschen Bauhauptverbandes amtierende Baulöwe mitunter der "kollektiven Blödheit" und geißelt Kollegen als "Pseudomanager, die ihren Beruf nicht verstanden haben".

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