Wirtschaft : „IKB war kein Schnäppchen“

Neuer Inhaber Lone Star verteidigt Kauf der Bank und kritisiert Regierung

Berlin - Der Finanzinvestor Lone Star hat Kritik widersprochen, er habe die Mittelstandsbank IKB der Staatsbank KfW zum Schnäppchenpreis abgekauft. „Ich gestehe zu, das ist ein Widerspruch“, sagte Lone-Star-Deutschland-Chef Karsten von Köller im Interview mit dem „Handelsblatt“. Die IKB-Mutter KfW hatte insgesamt acht Milliarden Euro in die krisengeschwächte Bank gepumpt, um sie vor der drohenden Pleite zu retten. In der vergangenen Woche hatte der KfW-Verwaltungsrat die Bank schließlich für rund 150 Millionen Euro an den US-Investor Lone Star verkauft. Der neue Eigner übernimmt auch einen Großteil der Risiken. Details könnten am heutigen Donnerstag bekannt werden, wenn IKB-Aktionäre sich zur Hauptversammlung in Düsseldorf treffen.

Dass die IKB kein „Schnäppchen“ sei, zeige im Übrigen die Tatsache, dass von den ursprünglich 50 Interessenten, die Informationsmemoranden im Verkaufsprozess abgerufen hätten, nur zwei übrig geblieben seien, sagte von Köller. Keine in- oder ausländische Bank habe sich beteiligt. „Wenn das so ein ’Schnäppchen’ wäre, müssten die doch eigentlich Schlange stehen“, sagte er. Zu Medienberichten über einen russischen Investor, der angeblich bis zu 600 Millionen Euro für die IKB geboten hatte, wisse er nichts, sagte der Manager.

Zugleich warf er der Bundesregierung vor, den Kaufpreis für die IKB zu hoch angesetzt zu haben. Der von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zu Beginn des Bieterverfahrens in Aussicht gestellte Preis von 800 Millionen Euro sei nie realistisch gewesen, sagte von Köller der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der Bundesrechnungshof will bereits im September einen neuen Prüfbericht über das Engagement der KfW bei der IKB vorlegen, wie das „Handelsblatt“ erfuhr. Der Rechnungshof hatte schon 2003 – und damit lange vor der aktuellen Krise – den Einstieg der Staatsbank KfW bei der Privatbank IKB heftig kritisiert.

Der Bericht wird besonders von der Opposition mit Spannung erwartet. Sie erwägt, einen Untersuchungsausschuss zur umstrittenen Rettung und dem Verkauf der IKB einzurichten. Ob es soweit kommen wird, blieb aber auch Mittwoch offen. Nach einem Treffen zwischen Finanzminister Steinbrück und FDP-Chef Guido Westerwelle in Berlin war lediglich zu erfahren, dass der Finanzminister zu weiteren Klärungsversuchen bereit ist. Über die Inhalte des Treffens sei grundsätzlich Vertraulichkeit vereinbart worden. Um einen Ausschuss einsetzen zu können, müssen FDP, Grüne und Linkspartei einen gemeinsamen Antrag stellen. Aber die Vorstellungen liegen zum Teil noch weit auseinander.

Ein Untersuchungsausschuss könne „nachteilig“ für die Bank sein, die der Investor nun in ruhiges Fahrwasser bringen wolle, warnte von Köller. „Wenn sie dann wochen- oder monatelang im Fokus der Medien steht, das fände ich nicht gut“, sagte der Deutschland-Manager. Lone Star brauche wahrscheinlich noch zwei Jahre, um die Bank „nachhaltig“ in die Gewinnzone zu bringen.

Der künftige Eigentümer rechnet damit, noch mehr Geld in die IKB investieren zu müssen. „Die Zukunft dieser Bank ist auch mit den Rettungsmaßnahmen nicht per se gesichert“, sagte von Köller. „Es muss noch Kapital reingegeben werden.“

Zunächst bleibe aber abzuwarten, wie Brüssel entscheide, „was uns da an möglicherweise nachteiligen wirtschaftlichen Auflagen vorgegeben wird“. Die Zustimmung der Wettbewerbshüter zur Übernahme steht noch aus. Der US-Investor rechne damit, dass der IKB das Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung erhalten bleibe, sagte von Köller. bas (HB)/pet

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