Ila : Countdown für die Luftfahrtschau

Trotz Verzögerungen beim Großflughafen rechnet Berlin-Brandenburg mit dem Zuschlag für die Ila.

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Zuschauerattraktion. Hunderttausende haben die letzte Luftfahrtausstellung in Schönefeld besucht. Doch das Gelände wird künftig für den neuen Flughafen gebraucht. Die Ila muss umziehen. Foto: ddp
Zuschauerattraktion. Hunderttausende haben die letzte Luftfahrtausstellung in Schönefeld besucht. Doch das Gelände wird künftig...Foto: ddp

Berlin - Die mögliche Verzögerung bei der Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld hat keinen Einfluss auf die Durchführung der Internationalen Luftfahrt- und Raumfahrtausstellung (Ila). Das sagte der Ila-Direktor der Messe Berlin, Stefan Grave, am Sonntag dem Tagesspiegel. Der Betrieb der neuen Start- und Landebahn sei unabhängig von der Fertigstellung des Terminalgebäudes möglich. Die 4000 Meter lange Piste ist bereits weitgehend fertiggestellt, jetzt beginnt der Einbau der Befeuerungsanlagen. Die Ila soll ab 2012 in Selchow am Westrand des neuen Airports stattfinden.

Ob das der Fall sein wird, wird der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) an diesem Montag in Berlin entscheiden. Neben Selchow/Schönefeld mit dem künftigen Flughafen BBI ist nur noch der eher verkehrsschwache Airport Leipzig/Halle im Rennen. Dort verbuchte man die drohende Verzögerung der BBI-Eröffnung bereits als Pluspunkt.

Um für ihre Regionen zu kämpfen, werden alle Länderchefs persönlich vor dem 22-köpfigen Präsidium des Luftfahrtverbandes auftreten. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zunächst gezögert hatte, wird nun zum Termin in der BDLI-Zentrale an der Friedrichstraße in Mitte erscheinen. Wowereit kehrt aus New York zurück, wo er an der mehrtägigen Party zum 60. Geburtstag von Showstar Thomas Gottschalk teilgenommen hat. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) werden an diesem Montag zum BDLI kommen.

Der BDLI, Inhaber der Marke Ila, veranstaltet die Branchenshow derzeit gemeinsam mit der Messe Berlin alle zwei Jahre in Schönefeld. Die Nähe zu Ministerien und Botschaften gilt als entscheidender Standortvorteil. So ist die Ila 2010, die am 8. Juni von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet wird, mit 1150 Ausstellern aus 48 Ländern größer und internationaler als jemals zuvor. Doch nach der sechstägigen Messe, die traditionsgemäß mit einem Publikumswochenende und einem Flugshowprogramm endet, wird das bisher genutzte Areal für den weiteren Bau des BBI gebraucht. Deshalb wird ab 2012 ein neues Ila-Gelände benötigt. Ein passendes Areal wurde am Rande des Airports bei Selchow lokalisiert, auf Flächen, die den Berliner Stadtgütern gehören.

Der BDLI hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er in Hauptstadtnähe bleiben möchte. So wurde eine bereits 2006 geschlossene Eckpunktevereinbarung über die Ila nach Informationen dieser Zeitung bereits 2008 um die Festlegung des Standortes Selchow ergänzt. Diese Vereinbarung könnte nach Einschätzung von Juristen durchaus den Charakter eines bindenden Vertrages haben. Andererseits hat die Politik in Berlin und Brandenburg mit ihrer zögerlichen Weichenstellung zum Aufbau des neuen Ausstellungsgeländes die Geduld der Verantwortlichen des von Airbus-Chef Thomas Enders geleiteten Verbandes arg strapaziert und dort zu beträchtlicher Verärgerung geführt. Erst nachdem der BDLI mit dem Wegzug der Ila drohte und den künftigen Messestandort für zehn Jahre ab 2012 öffentlich ausschrieb, gab es Bewegung. Nun muss sich der Favorit Berlin-Brandenburg im Wettbewerb behaupten. Hannover, Köln/Bonn, Stuttgart und Oberpfaffenhofen sind bereits im Vorfeld ausgeschieden. In Sachsen, wo der Airport Leipzig/Halle gern auch selbstbewusst als „Flughafen Berlin-Süd“ bezeichnet wird, verweist man auf die gute Schienenanbindung an die Hauptstadt. Rund fünf Millionen Euro sollen für den Bau neuer, als Ausstellungshallen nutzbarer Mehrzweckbauten ausgegeben werden. Einschließlich vorgezogener Ausbauten sollen insgesamt etwa 30 Millionen Euro investiert werden. Leipzig/Halle boomt bisher nur nachts als Frachtdrehkreuz der DHL, während tagsüber der Passagierverkehr mit vier Millionen Jahresfluggästen (Schönefeld und Tegel haben zusammen 21 Millionen) eher bescheiden ist.

In Schönefeld wollen Messe Berlin und Zukunftsagentur Brandenburg je fünf Millionen Euro in eine neue Betreibergesellschaft einbringen. Auf der Basis dieses Grundkapitals sollen weitere 17 Millionen für den Aufbau eines neuen Ausstellungsgeländes bei Selchow über Bankkredite finanziert werden.

Für die Hauptstadtregion bringt jede Ila nach Zahlen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle einen Kaufkraftzufluss von 160 Millionen Euro sowie einen volkswirtschaftlichen Produktionseffekt von mehr als 300 Millionen Euro bei Dienstleistern und nachgeordneten Wirtschaftszweigen. Gleichzeitig werden durch die Veranstaltung rund 1760 Jobs erhalten oder geschaffen.

Ob sich diese Zahlen auf Leipzig/Halle übertragen lassen, ist fraglich. Insider verweisen darauf, dass die Ila schon jetzt Mühe hat, sich gegen die beiden großen europäischen Wettbewerber zu behaupten. Während der Pariser Aero-Salon in ungeraden Jahren stattfindet, ist die britische Farnborough Air Show im Juli ein direkter Konkurrent. Bei einem Umzug nach Leipzig/Halle bestehe die Gefahr, dass die Ila wieder zu einer Fachmesse mit nur regionalem Charakter wird.

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