Wirtschaft : ILA: Entscheidung für den A3XX vertagt - Sitzung des Aufsichtsrates verschoben

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Entgegen bisherigen Erwartungen ist der Aufsichtsrat von Airbus Industries am Donnerstag nicht am Rande der Ila zusammengekommen. Noch zu Wochenbeginn hatte der Vorstandsvorsitzende von DaimlyerChrysler Aerospace, Rainer Hertrich, eine Entscheidung des Airbus-Aufsichtsrates zum geplanten Großraumflugzeug A3XX für die zweiten Wochenhälfte in Aussicht gestellt. Auch die Airbus-Ministerkonferenz gab am Dienstag auf einem Treffen in Berlin ihren Segen. Doch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Airbus-Anteilseignern verhindern bislang eine einvernehmliche Projektfreigabe durch den Airbus-Aufsichtsrat.

In erster Linie drängen die Briten auf mehr Klarheit - nicht zuletzt über die Absichten der Fluggesellschaften den neuen Airbus verbindlich zu bestellen, wie ein Unternehmenssprecher von BAe Systems gegenüber dem Tagesspiegel erklärte. Vor allem aber pochen sie auf eine angemessenen Beteiligung am Airbus-Konsortium, das in Zukunft von dem noch zu gründenden Luft- und Raumfahrtkonzern European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) zu 80 Prozent kontrolliert wird. BAe Systems (vormals British Aerospace) ist zurzeit mit 20 Prozent an Airbus beteiligt, will aber seinen Anteil erhöhen; auch deshalb, weil das Unternehmen einen maßgeblichen technologischen Beitrag leistet. Weil die Briten ihren Einfluss - auch beim Arbeitsprogramm für die A3XX - wahren wollen, verzögern sich die laufenden Verhandlungen über die Umstrukturierung des losen Interessenverbundes Airbus in eine richtige Kapitalgesellschaft - die Airbus Integrated Company (AIC). In gemeinsamen Arbeitsgruppen werden, nach Angaben der Dasa, derzeit interne Bewertungsanalysen erstellt, die verbindlich über die angemessenen Anteilsverhältnisse an der neuen Airbus-Gesellschaft AIC Auskunft geben sollen. Ergebnisse werden demnächst erwartet.

Unabhängig davon geht das Tauziehen zwischen den deutschen und französischen Partnern um die Vergabe der Endmontage weiter - zum besonderen Ärger der Franzosen. Nach wie vor ist offen, ob die Arbeiten komplett nach Toulouse vergeben werden oder auch Hamburg einen Teil der Endmontage übernehmen wird. Am Rande der Ila war mitgeteilt worden, dass in Hamburg lediglich die Innenausstattung für das neue Großraumflugzeug erfolgen soll. Die Bundesregierung hatte ihre Zustimmung für die finanzielle Unterstützung des Projektes von der definitiven Arbeitsverteilung abhängig gemacht. Nun rechnen Skeptiker erst zur nächsten großen europäischen Flugschau im britischen Farnborough, zwischen dem 24. und 30. Juli, mit einer Entscheidung des Airbus-Aufsichtsrates. Die neuerliche Verzögerung fördert nicht gerade das Image der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie, zumal man den Eindruck gewinnen könnte, wirtschaftliche Risiken des Projektes würden den Start des A3XX am Ende verhindern. Immerhin ist das Vorhaben dreimal so teuer wie der Plan des US-Konkurrenten Boeing seinen Jumbo-Jet, dem der neue Airbus Konkurrenz machen soll, in einer gestreckten Version auf den Markt zu bringen. Vor allem aber belastet die Hängepartie den geplanten Börsengang der EADS. Der soll dem neuen Unternehmensgebilde rund vier Milliarden Euro einspielen. Die Aktie wird am 10. Juli in Frankfurt (Main), Paris und Madrid erstmals notiert.

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