Wirtschaft : Illegaler Tiermehl-Export aus Niedersachsen

Verbraucherrechtsorganisation stellt Strafanzeigen gegen drei Unternehmen / Firma in Bayern geschlossen

N. Michaelis/M. Peters

Berlin - Führende Fleischproduzenten in Niedersachsen sind nach Angaben der Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch in einen Skandal um illegale Exporte von Tierabfällen verwickelt. Am Mittwoch stellte die Organisation Strafanzeige gegen die Vion-Tochter SNP, die zur PHW gehörende Gepro, den Düngemittelhändler Beckmann sowie zuständige Kreisbehörden im Raum Weser-Ems. Das Verbraucherschutz-Ministerium in Hannover bestätigte die Vorgänge gegenüber dem Tagesspiegel, ohne Details zu den beschuldigten Unternehmen zu nennen.

Mehr als 30 000 Tonnen Tiermehl aus Schlachtabfällen wie Knochen und Klauen seien im Jahr 2005 von deutschen Fleischerzeugern unter anderem nach Bangladesch, Russland, Thailand und Vietnam exportiert worden, berichteten Foodwatch-Vertreter in Berlin. Teilweise sei das Mehl als Heimtierfutter deklariert worden, um Ausfuhr- und Einfuhrverbote zu umgehen. Denn verbindlich für den Export seien Abkommen, dass Abfallprodukte nicht an landwirtschaftliche Nutztiere verfüttert würden. Ein solches habe zum Zeitpunkt der Ausfuhren aber mit keinem der Empfängerländer bestanden.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirschaft und Verbraucherschutz wurde aufgefordert, ein sofortiges Verbot von Tiermehlexporten in Nicht-EU-Staaten zu verhängen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Abfälle als Futtermittel in die Nahrungsmittelkette zurückgelangen und in die EU-Staaten reimportiert würden.

Das niedersächsische Agrarministerium erklärte, für Verbraucher in Deutschland bestehe kein Gesundheitsrisiko durch die Tiermehlexporte. In letzter Zeit sei kein Fleisch aus den betroffenen Ländern importiert worden.

Unterdessen ist am Mittwoch im bayerischen Illertissen eine Fleisch- und Kühlhausfirma nach einem Gammelfleischskandal geschlossen worden. Die Firma soll vergammeltes Fleisch nach Frankreich und angefaulte Schweineköpfe an einen Betrieb in Nordrhein-Westfalen geliefert haben.

Dem Unternehmen wurde deshalb bereits am vergangenen Freitag die EU-Zulassung entzogen. Es handelt sich um das ehemalige Mutterunternehmen der inzwischen insolventen Deggendorfer Frost GmbH, deren Geschäftsführer im Dezember zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.

Robert Fischer, der Vorsitzende der Lebensmittelkontrolleure in Bayern, geht davon aus, dass sich Skandale dieser Art jederzeit wiederholen können. „Bis jetzt deckt Kommissar Zufall diese kriminellen Machenschaften auf“, sagte Fischer dem Tagesspiegel. Es sei schwer, solchen Fällen ohne konkreten Hinweis auf die Schliche zu kommen, da das Fleisch tiefgefroren in großen Hallen lagere.

Lebensmittelkontrolleure fordern seit langem, dass das Fleisch kodiert wird und dann mittels Laser zugeordnet und kontrolliert werden kann. Nach Angaben Fischers bislang ohne Resonanz. Nach einem neuen Fund würden Politiker zwar viel ankündigen, Taten folgten dem aber meistens nicht.

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