Wirtschaft : Im Bett mit Romy

Daniel Völzke

Sterben kann ganz erfrischend sein. Das weiß auch Armin Kratzert, der in „Playboy“ den Helden Porfirio Rubirosa auf eine abenteuerliche postmortale Reise schickt: Erschlagen von einem Ferrari, beginnt für den untoten Lebemann eine beschwingte Tour durch Länder und Zeiten. In kurzen Kapiteln, jeweils aus einem kunstreich gefügten Satz bestehend, erzählt Kratzert, wie Rubirosa Romy Schneider verführt, mit Albert Einstein plaudert und in Jean-Paul-Manier durch das Weltall streift.

Solche Fähigkeiten gäben wohl auch dem historischen Vorbild für Kratzerts Figur Anlass zum Neid; obwohl der dominikanische Diplomat gleichen Namens, der 1963 bei einem Unfall ums Leben kam, Reichtum, Frauen und Einfluss zu Genüge besaß.Der Roman-Rubirosa, der im Jahre 2002 stirbt, trifft schließlich sich selbst – vielleicht aber auch den „wahren“ Rubirosa – in der Vergangenheit. Spätestens jetzt taucht die Frage auf, wer gespenstischer ist: eine Person der Geschichte oder eine Romanfigur.

„Playboy“ lässt sich als ein Buch über das Schreiben selbst lesen. Die Gewalt, mit der jeder Schriftsteller über seine Figuren verfügt, wird hier in die Hände des Helden gelegt. Durch die Allmacht des Playboys bewegen sich auch die Leser durch Raum und Zeit. Kratzert, der im BR-Fernsehen die Literatursendung „Lesezeichen“ leitet, verschweigt auch das nicht: Lese-Erfahrung eröffnet neue Möglichkeiten, das Leben aber ist völlig anders.

Armin Kratzert: Playboy. Roman. Jung und Jung Verlag, Salzburg. 118 Seiten, 17,80 €.

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