Wirtschaft : Im Gegensatz zum Jahresbeginn überwiegt bei den Bundesbürgern eine skeptische Haltung

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Am Anfang war die Stimmung noch gut: Wenige Tage nach dem Start des Euro waren die meisten Deutschen von der Stabilität der Gemeinschaftswährung überzeugt. Ganz offensichtlich hatte der erfolgreiche Transfer der neuen Währung auch für einen Transfer optimistischer Stimmung gesorgt. Nach einer Handelsblatt-Umfrage vom Januar 1999 erwartete jedenfalls eine Mehrheit von 52 Prozent, dass der Euro genauso stabil sein wird wie die D-Mark. Ein Jahr zuvor waren noch 60 Prozent der Befragten davon ausgegangen, dass die neue Währung instabiler sein würde als die D-Mark. Fast die Hälfte der Bundesbürger war im Januar davon überzeugt, dass die neue Gemeinschaftswährung künftig genauso wichtig sein werde wie die bislang dominante US-Währung.

Auch die Mittelständler waren zum Jahresbeginn optimistisch gestimmt. Nach einer Umfrage des Forsa-Institutes im Februar sprach sich die Mehrheit der mittelständischen Unternehmer sogar für eine vorgezogene Einführung des Euro aus: Zwei Drittel der befragten Firmen waren dafür, nur ein Drittel dagegen, das neue Geld schon vor dem Jahre 2002 in Umlauf zu geben. Bei Dienstleistern und Produktionsbetrieben fiel die Zustimmung mit 75 beziehungsweise 52 Prozent am höchsten aus.

Zur Jahresmitte hat sich das Bild gewandelt: Die Deutschen verloren zusehens das Vertrauen in die neue Währung. 59 Prozent der Bundesbürger, im Osten sogar 65 Prozent, waren nach einer Umfrage des Instituts dimap vom Juni davon überzeugt, dass der Euro - entgegen den Versprechungen der Politiker - ein schwacher Euro wird. Der Anteil der Pessimisten hatte sich damit gegenüber Januar mehr als verdoppelt. Das größte Misstrauen herrschte dabei in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen. Zu diesem Zeitpunkt, im Juni, hatte der Euro gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zu seinem Start rund 14 Prozent an Wert verloren. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnte darum davor, dass die Schwäche des Euro sich fortsetzen und die Wachstumsprognose nach unten korrigiert werden müsse. Statt bisher von 1,6 Prozent Wachstum müsse man nun von 1,2 Prozent ausgehen.

Die deutschen Unternehmer gaben sich nach wie vor zuversichtlich: 90 Prozent der Chefs in den Euro-Ländern hielten den Beitritt ihres Landes zur Währungsunion für eine richtige Eintscheidung. Das ergab eine Umfrage der Auskunftei Dun & Bradsteet unter 2000 Unternehmern im Juli dieses Jahres. In Deutschland waren sogar 86 Prozent der Chefs der Meinung, die Entscheidung sei richtig gewesen.

Zum Jahresende bleibt die Stimmung im Volk gedämpft, bei den Unternehmern überwiegt der Optimismus. Die meisten Bundesbürger stehen der Gemeinschaftswährung noch immer skeptisch gegenüber, wie eine Umfrage des Mannheimer Instituts für praxisorientierte Sozialforschung (ipsos) im Dezember zeigt.

Die Umfrage ergab allerdings auch, dass beim Euro immer noch ein großes Informationsdefizit besteht: 61 Prozent der Befragten fühlen sich danach über den Euro nicht hinreichend informiert. Und 53 Prozent befürchten, dass ihre Ersparnisse mit der Einführung des Euro gefährdet sind. Fast die Hälfte glaubt, dass die Kosten der Lebenshaltung steigen, und ein Drittel ist der Ansicht, dass sich durch die Einführung der Gemeinschaftswährung die Arbeitslosigkeit erhöhen wird. Nur acht Prozent versprechen sich vom Euro einen persönlichen Vorteil.

Beim deutschen Mittelstand überwiegt zum Jahresende dagegen die Zuversicht: Einer Allensbach-Umfrage von diesem Monat zufolge blicken 39 Prozent dem neuen Geld mit Hoffnung entgegen, bei größeren und international ausgerichteten Mittelständlern war es sogar die Hälfte. Die Unternehmer sind so zuversichtlich, dass die meisten von ihnen nicht damit rechnen, dass ihnen die Umstellung auf den Euro Probleme bereiten könnte. Darum hat noch nicht einmal jeder Dritte konkrete Maßnahmen in Angriff genommen.

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