Wirtschaft : „Im Internet werden Kunden nicht vernünftig beraten“

Versicherungsberater Rüdiger Falken über die besten Anlaufstellen für Verbraucher und den richtigen Policen-Mix

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RÜDIGER FALKEN

ist Versicherungsberater in Hamburg, Sachverständiger, Gerichtsgutachter und Lehrbeauftragter für

Versicherungen an der Fachhochschule Lüneburg.

Foto: promo

Herr Falken, wie viel kann man sparen, wenn man sich von unnötigen Policen trennt?

Das lässt sich schwer sagen. Denn viele Versicherte haben einerseits unnötige Versicherungen, andererseits fehlen ihnen aber wichtige Policen.

Zum Beispiel?

Viele Menschen haben eine teure Unfallversicherung, aber keine Berufsunfähigkeitspolice. Dabei ist die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ein wirklich wichtiger Schutz.

Aber alle, die vor 1961 geboren sind, können doch noch eine gesetzliche Invalidenrente bekommen.

Das stimmt, aber diese Rente reicht hinten und vorne nicht. Wie wollen Sie denn von 500, 600 oder 700 Euro im Monat existieren, geschweige denn eine Familie ernähren? Ich halte eine Berufsunfähigkeitsversicherung daher für ein absolutes Muss, und ich finde, dass selbst Hausfrauen eine eigene Police brauchen – vor allem, wenn sie Kinder haben. Denn wenn die Hausfrau wegen Krankheit oder Unfall ausfällt, stürzt die Familie auch finanziell in ein tiefes Loch. Dann muss entweder der Hauptverdiener kürzer treten und weniger arbeiten, oder er muss eine Haushaltshilfe einstellen. Dasselbe gilt auch für die Risikolebensversicherung. Auch hier braucht nicht nur der Hauptverdiener einen Vertrag, sondern auch die Hausfrau. Stellen Sie sich vor, Vater oder Mutter erkranken schwer und sterben, dann braucht die restliche Familie unbedingt ein finanzielles Netz.

Welche Versicherungen sind noch zwingend nötig?

Gesetzlich vorgeschrieben sind ja bereits die Krankenversicherung für Angestellte und die KfzHaftpflicht. Kasko- und Teilkasko-Versicherungen kann man sich dagegen notfalls sparen. Absolut nötig sind aber eine Privat-Haftpflichtversicherung und – für Hauseigentümer – eine Wohngebäudeversicherung, die bei Feuer-, Wasser- oder Sturmschäden einspringt.

Ältere Menschen zahlen deutlich höhere Prämien, wenn sie eine Lebensversicherung oder eine private Krankenversicherung neu abschließen. Gibt es eine Altersgrenze, ab der bestimmte Policen unattraktiv werden?

Nein, wichtig ist immer die Frage: Wie groß ist die drohende Versorgungslücke? Daher kann es auch für 50-Jährige noch sinnvoll sein, eine Risikolebensversicherung abzuschließen, um die Familie abzusichern. Die Sache sieht aber womöglich anders aus, wenn in der Familie Rücklagen vorhanden sind – Kapital, eine schuldenfreie Immobilie oder eine stattliche Altersvorsorge. Eine vernünftige Versicherungsberatung beginnt daher immer mit einer umfassenden Bilanzaufnahme: Wie viel Schutz brauche ich, und welchen Schutz habe ich bereits?

Wo können sich Verbraucher informieren?

Bei den Verbraucherzentralen oder beim Bund der Versicherten. Man kann sich aber auch an einen gerichtlichen zugelassenen Versicherungsberater wenden, der die persönlichen Risiken des Kunden bewertet und diesem dann klipp und klar sagt, welche Versicherungen man kündigen und welche Policen man bei welchem Anbieter neu abschließen sollte.

Was kostet das?

Für die erste Beratung bei einem gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater müssen Sie mit Kosten von 210 Euro rechnen.

Viele Internet-Dienste arbeiten kostenlos.

Ja, aber hinter fast allen Internet-Seiten stecken bestimmte Anbieter. Verbraucher werden nicht neutral und nicht objektiv beraten.

Das Interview führte Heike Jahberg.

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