IM INTERVIEW : Markus Beumer

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Herr Beumer, die Kritik des Mittelstandes fällt deutlich aus. Die Finanzkrise hat das Vertrauen erschüttert. Was tun Sie als Commerzbank-Vorstand?

Unser Eigenkapitalfonds, den wir gemeinsam mit der KfW aufgelegt haben, oder auch die Berufung eines eigenen Kreditmediators sind zwei Beispiele. Ein wichtiger Schlüssel ist unser Modell „Analyse Zukunftsfähigkeit“: Während das klassische Rating sehr stark die Vergangenheit widerspiegelt, schauen wir mit diesem Instrument bei der Beurteilung vor allem in die Zukunft eines Unternehmens.

Im Mittelstand sind die Auftragsbücher voll, die Kreditlinien sind aber nur zu 60 Prozent genutzt. Ist die Skepsis immer noch groß?

Dass das Kreditgeschäft noch eher verhalten läuft, spricht für ein gutes Finanzmanagement der Unternehmen. Sie haben selbst die Liquidität vorgehalten, die sie brauchen. Irgendwann kommen auch wieder Ausrüstungsinvestitionen. Aber noch trauen die Firmen der guten Entwicklung nicht. Nach Phasen, in denen manche fast vor dem Kollaps standen, sind sie vorsichtiger geworden.

Die Lage ist gut, die Perspektiven sind rosig. Passt da die Diskussion über Lohnerhöhungen?

Ich kann die Diskussion verstehen, aber noch ist die Situation auch im Mittelstand nicht so gefestigt, dass ich dafür Spielraum sehe. Das würde die Preise deutscher Exportgüter treiben und unsere Wettbewerbsfähigkeit mindern. Die Zeit ist noch nicht reif für höhere Löhne, zumal die meisten Tarifverträge die Löhne bis 2011 fixiert haben.

Das Interview führte Rolf Obertreis

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