Wirtschaft : Im Interview: Pierre Gadonneix

HERMANN-JOSEF KNIPPER

"Mit der Gasag in einer guten Startposition"VON HERMANN-JOSEF KNIPPER TAGESSPIEGEL: Herr Gadonneix, Gaz de France hat mit der Bewag die Mehrheit der Gasag übernommen.Gemeinsam wollen Sie Ihr Deutschland- und Osteuropa-Engagement ausbauen.Was zieht Sie nach Deutschland? GADONNEIX: Gaz de France ist schon seit den siebziger Jahren in Deutschland präsent, da die Bundesrepublik der größte europäische Gasmarkt und ein bedeutendes Gas-Transitland ist.Direkt nach der deutschen Wiedervereinigung, im Jahr 1991, haben wir beschlossen, mit unserem Know-how und den internationalen Erfahrungen am Aufbau der neuen Bundesländer teilzunehmen.Damals haben wir zum Beispiel einen 50-Prozent-Anteil an der Ergas Mark Brandenburg (EMB) in Potsdam erworben und den Sitz unserer Tochter Gaz de France Deutschland von Frankfurt (Main) nach Berlin verlegt. TAGESSPIEGEL: Vor vier Jahren, bei der ersten Teilprivatisierung, haben Sie sich erfolglos um den Einstieg in den Gasag-Aktionärskreis beworben.Im zweiten Anlauf waren Sie erfolgreicher... GADONNEIX: Die Gasag ist Europas größter städtischer Gasversorger.Schon diese Tatsache allein macht die Gasag für uns als Übernahmeobjekt attraktiv.Auch der Standort Berlin ist für jeden Investor eine besondere Herausforderung, denn es gibt ein großes Wachstumspotential auf dem hiesigen Gasmarkt, der noch längst nicht gesättigt ist.Wir sind sehr zufrieden, daß wir vom Senat den Zuschlag erhalten haben. TAGESSPIEGEL: Was haben Sie mit der Gasag vor? GADONNEIX: Wir wollen vor dem Hintergrund der Liberalisierung der Gasmärkte mit der Gasag ins Umland und in die Länder Mittel- und Osteuropas expandieren, etwa nach Polen, Tschechien und die Ukraine.Die dort bevorstehenden Privatisierungen bieten große Chancen, aber diese Chancen wird es nur einmal geben.Deswegen gehen wir jetzt in die Startpositionen.Die Verbindung zwischen einem deutschen und einem französchen Unternehmen verschafft uns in diesem Gewinnspiel einen besonderen Vorteil. TAGESSPIEGEL: Werden Sie die unternehmerische Führung übernehmen? GADONNEIX: Wir wollen die Gasag zu einem erfolgreichen Unternehmen machen.Dafür sind wir angetreten, das wird von uns erwartet.Der Schlüssel dafür ist die Verbesserung der Marktposition.Wir werden, wie vereinbart, die Gaspreise zum 1.April erstmals und mittelfristig auf europäisches Marktniveau senken.Wir werden technische und kaufmännische Verbesserungen einführen.Und betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben.Wie die künftige Rollenverteilung in Vorstand und Aufsichtsrat aussehen soll, steht noch nicht fest.Das Interview mit Pierre Gadonneix führte Hermann-Josef Knipper.

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