Wirtschaft : Im Interview: "Sozialämter können mehr Stellen schaffen"

Vorteile gegenüber ArbeitsämternDie Bundesregierung appelliert an die Kommunen, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in Arbeit zu bringen.Über die Möglichkeiten der Städte und Gemeinden sprach Alfons Frese mit Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des in Berlin ansässigen Städte- und Gemeindebundes. TAGESSPIEGEL: Sind Sie der richtige Adressat für den Bonner Appell? LANDSBERG: Bedingt.Die Städte beschäftigen bislang schon rund 200 000 Sozialhilfeempfänger.Wenn das mehr werden sollen, dann müssen sich Bund und Länder an den Kosten beteiligen.Pro Person brauchen wir im Schnitt 1000 DM pro Monat, das macht also bei 100 000 Arbeitsplätzen 1,2 Mrd.DM. TAGESSPIEGEL: Warum sollten sich die Kommunen auf einem Feld betätigen, daß die Arbeitsämter mit der Arbeitsmarktpolitik bestellen? LANDSBERG: Weil die Kommunen geeigneter sind: Sie sind näher dran an den Problemgruppen Jugendliche und Langzeitarbeitslose als die Arbeitsämter.Und die Kommunen haben bessere Kontakte zur örtlichen Wirtschaft, so daß die Integration auf dem 1.Arbeitsmarkt leichter fallen dürfte. TAGESSPIEGEL: Sie meinen also, ein Sozialamt bringt mehr Menschen in Arbeit als ein Arbeitsamt? LANDSBERG: Unter Umständen ja.Nur 30 Prozent der vermittelten Stellen laufen über das Arbeitsamt.Auf der anderen Seite verstehen sich die Sozialämter zunehmend als Dienstleister, die sich Zeit nehmen für ihre Klientel. TAGESSPIEGEL: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern? LANDSBERG: Schlecht.Wir brauchen eine Meldepflicht der Arbeitsämter an die Kommunen, damit die Stadt über freie Stellen informiert ist.Ferner sollten wir Arbeitslosen- und Sozialhilfe in einem System zusammenfassen: Das ist effizienter und spart Kosten.

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