Wirtschaft : IM INTERVIEW

Der Schweizer Franken bleibt eine sichere Währung

Trotz öffentlicher Debatte um eine Verschiebung der Währungsunion, stellen sich Unternehmen und Börsen bereits auf den Euro ein.Was bringt uns der Euro? Ist der Schweizer Franken eine Alternative? Wie wird sich die Währung im Bankenland Schweiz entwickeln? Mit Klaus Wellershoff, Chefökonom des Schweizerischen Bankvereins und wirtschaftspolitischer Sprecher des Konzerns sprachen Martina Ohm und Daniel Rhée-Piening. TAGESSPIEGEL: Herr Wellershoff, das Interesse am Finanzplatz Schweiz ist ungebrochen.Eine Anlage in der Schweiz erscheint vielen Investoren wie eine Garantie.Wie lange kann die Volkswirtschaft einen ungebremsten Kapitalzufluß verkraften? WELLERSHOFF: Die Schweiz ist Kapitalexporteur, nicht Kapitalimporteur; auch übrigens gegenüber Deutschland.Das wird oft verkannt.Der Zufluß ausländischen Kapitals ist für uns im Grunde kein Problem. TAGESSPIEGEL: Bedeutet das, daß Kapitalverlagerungen vom Ausland in die Schweiz; insbesondere auch im Vorfeld der Währungsunion keinerlei Auswirkungen auf den Schweizer Franken haben? WELLERSHOFF: Natürlich gibt es ein starkes Interesse am Franken, insbesondere auch aus den angelsächsischen Ländern, vor allem aus Großbritannien.Aber bisher kommt es zu keinen außergewöhnlichen Wechselkursverzerrungen.Mit der Aufwertung des Franken, die sich kontinuierlich entwickelt, können wir gut zurechtkommen.Im übrigen ist der starke Franken nicht zuletzt Ausdruck der stabilen Wirtschaftslage, des zu verzeichnenden Produktivitätszuwachs in der Schweiz.Sorge müßte man allenfalls dann haben, wenn es zu einer größeren Euro-Skepsis kommen würde. TAGESSPIEGEL: .. was dazu führen könnte, daß der Franken überbewertet wird und die Zinsen sinken? WELLERSHOFF: Sie glauben, früher oder später wird wieder die sogenannte Negativsteuer eingeführt, wie es sie in den siebziger Jahren gab? Das kommt nicht wieder.Und vor allen Dingen sage ich Ihnen: der Schweizer Franken bleibt eine sichere Währung. TAGESSPIEGEL: Empfinden Sie es nicht als Manko, daß die Schweiz beim Euro nicht mitmacht? WELLERSHOFF: Überhaupt nicht, wir könnten derzeit ja auch gar nicht mitmachen; schon aus politischen Gründen.Wir müßten erst einmal im Europäischen Wirtschaftsraum integriert sein.Natürlich sehen wir auch die Chancen, die die Währungsunion Europa bietet.Verkrustungen werden aufgebrochen. TAGESSPIEGEL: Inwieweit wird die Arbeit in einer Schweizer Bank in diesen Zeiten durch das Erscheinungsbild des Finanzplatzes im Ausland beeinträchtigt? WELLERSHOFF: Sie meinen den Umgang mit den nachrichtenlosen Konten? Ich will es so formulieren: Früher hatte die Schweiz keine Feinde, weil sie neutral war, heute hat sie wenig Freunde. TAGESSPIEGEL: Das gilt sicher nur eingeschränkt, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie attraktiv der Finanzplatz Schweiz nach wie vor ist.Was außer der Neutralität und dem Bankgeheimnis erklärt diese Faszination? WELLERSHOFF: Man muß auf die professionelle Beraterqualität verweisen.Wir bieten eine international und global operierende Vermögensverwaltung.Im übrigen sind wir auch ­ manche werden das kaum vermuten ­ risikobereiter.Und das heißt noch lange nicht unseriös.

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