Wirtschaft : IM INTERVIEW

"In Berlin ist es wie im Wilden Westen"

Über 300 Sicherheits- und Bewachungsunternehmen tummeln sich auf dem Berliner Markt.Im harten Wettbewerb unterbieten sich die Konkurrenten nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Bezahlung und sozialen Absicherung ihrere Mitarbeiter.Henrik Mortsiefer sprach darüber mit Uwe Scharf, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV in Berlin. TAGESSPIEGEL: Herr Scharf, wird der Wettbewerb der Sicherheitsfirmen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen? SCHARF: Das ist wie im Wilden Westen.Zu viele Anbieter liefern sich in Berlin einen mörderischen Verdrängungswettbewerb zulasten der Mitarbeiter.Die Hälfte der Betriebe ist nicht Mitglied im Branchen-Verband, muß sich also nicht an geltende Tarifverträge halten.Aber auch viele Verbandsfirmen zahlen unter Tarif, weil sie sonst nicht mehr konkurrenzfähig sind.Wenige haben überhaupt einen Betriebsrat, weil es schwierig ist, eine stabile Arbeitnehmervertretung aufzubauen.Da gibt es ein großes Rein und Raus.Geht ein Großauftrag verloren, setzen viele Betriebe die Leute einfach auf die Straße. TAGESSPIEGEL: Großer Auftraggeber ist die öffentliche Hand, die sich in Berlin verpflichtet hat, nur tariftreue Firmen zu beauftragen.Funktioniert das? SCHARF: Mit Berliner Behörden haben wir da wenig Probleme.Der Bund hingegen beteiligen sich massiv am Dumping - etwa bei der Bewachung der Reichstagsbaustelle. TAGESSPIEGEL: Birgt die Arbeit dubioser Sicherheitsfirmen nicht auch Gefahren? SCHARF: Ja.Die Kollegen von der Gewewrkschaft der Polizei meinen, daß die Grenze zum Zulässigen hier längst überschritten ist.Wir setzen uns seit Jahren für eine solide Ausbildung der Mitarbeiter bei Wachschutzfirmen ein.Fünf Tage IHK-Schulung sind da absolut unzulänglich.Wir brauchen eine anerkannte Ausbildung für Sicherheitsfachkräfte.

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