Wirtschaft : IM INTERVIEW

Margarita Chiari sprach mit dem Telekom-Experten der Stiftung Warentest, Ronald Dammschneider.

Die Ankündigung der Telekom, von Kunden, die zur Konkurrenz wechseln wollen, Gebühren einzufordern, hat für Verwirrung gesorgt.Am Freitag forderte die Regulierungsbehörde die Telekom auf, ihre Gebührenpläne zunächst zur Genehmigung vorzulegen.Den Kunden hilft dies vorerst wenig.Wie sollen sich jene, die wechseln wollen, verhalten? Margarita Chiari sprach mit dem Telekom-Experten der Stiftung Warentest, Ronald Dammschneider. TAGESSPIEGEL: Sind die Gebühren überhaupt zulässig?DAMMSCHNEIDER: Zunächst ist zu sagen: Wer zur Konkurrenz wechselt und nicht darauf beharrt, die bisherige Rufnummer zu behalten, muß nichts zahlen.Das wird von der Telekom auch nicht verlangt.Anders sieht es aus, wenn der Kunde seine Rufnummer behalten will oder wenn er weiterhin Hauptkunde der Telekom bleibt, für Ferngespräche aber eine andere Gesellschaft wählt, also die sogenannte Pre-Selection.In diesen Fällen entsteht der Telekom tatsächlich ein Aufwand.Wir sind aber der Meinung, daß die Telefongesellschaften sich hier einig werden und diese Kosten übernehmen sollten, vor allem bei der Pre-Selection.Das wäre nicht nur verbraucherfreundlich.Die Gesellschaften verdienen schließlich auch an den Kunden. TAGESSPIEGEL: Über die Höhe der Gebühr streiten nun Telekom und Regulierungsbehörde.Soll der Kunde die Zahlung vorerst verweigern? DAMMSCHNEIDER: Wer jetzt sofort wechselt, sollte die Zahlung unter Vorbehalt leisten und schriftlich Widerspruch einlegen.Wer nicht zahlt, riskiert, daß sein Telefon abgestellt wird und die Rufnummer verloren geht.Und er riskiert auch, daß die Telekom ihn verklagt.Zudem haben einige Konkurrenz-Gesellschaften angeboten, die Gebühren zu übernehmen.Nachfragen lohnt also. TAGESSPIEGEL: Lohnt sich denn der Wechsel überhaupt? DAMMSCHNEIDER: Die Verbraucher sollten sich von dem Hick-hack nicht einschüchtern lassen.Wir empfehlen, die Möglichkeiten zunächst selbst bei einzelnen Gesprächen ­ also im sogenannten Call-by-call-Verfahren ­ zu testen.Bei Ferngesprächen kann man bis zu 40 Prozent der Kosten sparen.Wer komplett wechseln will, dem empfehlen wir, sich die Gebühren und Verträge genau anzusehen.Einige Anbieter haben lange Kündigungsfristen. TAGESSPIEGEL: Können die Verbraucher denn wirklich kontrollieren, ob ihnen die korrekten Preise verrechnet werden, wenn sie das call-by-call-Angebot nutzen, also bei Einzelgesprächen jeweils andere Gesellschaften wählen? DAMMSCHNEIDER: Im schlimmsten Fall gibt es mehrere Rechnungen.Einzelne Anbieter haben sich aber mit der Telekom auf eine gemeinsame Abrechnung geeinigt.Der Kunde sollte daher von der Telekom einen Einzelgesprächsnachweis anfordern.Den gibt es jetzt kostenlos.

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