Wirtschaft : Im luftleeren Raum

Nach dem Wechsel bei Air Berlin bleibt die neue Strategie unklar – die Aktie fällt auf ein Rekordtief

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Berlin - Am Tag nach dem spektakulären Führungswechsel bei Air Berlin dominierten zumindest an den Börsen Zweifel an der Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Der Kurs der Aktie stürzte am Morgen regelrecht ab und erreichte mit 2,16 Euro zeitweise den bisher tiefsten Stand seit dem Börsengang 2006. Am Ende notierte das Papier fast auf Vortagesniveau bei 2,44 Euro. Im Frühjahr 2007 war es zeitweise mehr als 20 Euro wert gewesen.

Händler hatten am Morgen unter anderem die wenig schmeichelhaften Aussagen von Hartmut Mehdorn über dessen neuen Arbeitgeber verarbeitet. Mehdorn, der sein Amt am 1. September offiziell antreten wird, hatte zum Beispiel dem Tagesspiegel gesagt, er stehe vor einer „schwierigen Aufgabe“. „Da muss eine Menge passieren, um wieder profitabel zu werden“, sagte er. Das werde nicht über Nacht gehen.

Konkretisiert hatte Mehdorn seine Pläne nicht, was Unsicherheit erzeugte. Und mit dem Hinweis, es werde keine rasche Sanierung geben, sorgte er für Zweifel, dass das gerade erst vorgestellte Sparprogramm „Shape and Size“ in diesem Jahr nicht mehr voll wirksam wird. Vorsichtshalber stuften Analysten der NordLB das Air-Berlin-Papier vom Status „halten“ auf „verkaufen“ herunter und nannten als Kursziel 2,20 Euro.

Echten Grund zur Panik gebe es allerdings nicht, sagten am Freitag Analysten zweier Großbanken, die sich nicht namentlich zitieren lassen wollten. Nach drei Jahren ohne Gewinn, komme es auf einen Tag auch nicht an. Air Berlins strategische Probleme seien im Prinzip bekannt: Grundsätzliche Zweifel bestehen am Geschäftsmodell. Noch-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hatte über die Jahre viele teils sehr unterschiedliche Fluggesellschaften in das Unternehmen integriert. Die Marke sei heute für „weder Fisch noch Fleisch“, wie ein Analyst sagte. Ein anderer sagte dagegen, er glaube sehr wohl an die Nische, die Air Berlin ausfüllen soll: zwischen Billigflieger und der Welt-Airline Lufthansa. Um dort Erfolg zu haben, müsse man aber die Preise senken, um auf wichtigen Strecken gegen den großen Wettbewerber zu bestehen. Unter Hunold war es allerdings erklärtes Ziel, höhere Preise durchzusetzen.

Angesichts des Börsenkurses ist Air Berlin ein Übernahmekandidat, sind sich viele Experten einig. „Das könnte zum Beispiel Emirates sein als expansive Airline, die sich selbst nicht um den Ölpreis scheren muss“, spekulierte ein Analyst. Eine Aufspaltung der Airline, etwa in einen Charterflieger und Einzelplatzverkauf-Airline, halte er dagegen nicht für sinnvoll. Das Unternehmen selbst mochte derartige Marktphantasien nicht kommentieren. Kevin P. Hoffmann

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