Wirtschaft : Im Osten ist die Stromerzeugung am teuersten

Der gegenwärtige Preiskampf in der Elektrizitätswirtschaft findet vor dem Hintergrund erheblicher Unterschiede bei den Stromerzeugungskosten statt. So schwanken die Erzeugungskosten für Strom zwischen 4,8 Pfennigen je Kilowattstunde in Hessen und 7,8 Pfennig in Ostdeutschland. Dies geht aus Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hervor, die am Montag in Essen vorgelegt wurden.

Hintergrund dieser Entwicklung seien unter anderem landespolitische Entscheidungen etwa für den Einsatz von Braunkohle bei der Stromerzeugung, die regionale Wirtschaftsstruktur oder die Ausstattung mit Ressourcen, so der Wirtschaftsforscher Bernhard Hillebrand. Auch die Nachrüstungsprogramme zur Entschwefelung und zur Reduzierung von Stickoxiden konzentrierten sich auf jene Bundesländer, die auf Stein- und Braunkohle setzen. Allein in den 80er Jahren wurden dazu im Westen 23,6 Mrd. DM investiert. Insgesamt seien die Erzeugungskosten seit Anfang der neunziger Jahre durch sinkende Preise auf den Energiemärkten und die Neuregelung bei der Steinkohleverstromung um etwa vier Mrd. DM oder 1,3 Pfennig je Kilowattstunde zurückgegangen.

Regionale Belastungs- und Kostenunterschiede seien zwar nichts Neues. In einem wettbewerblich organisierten Markt könnten diese Unterschiede aber zu einem Problem werden. "Der Wettbewerb wird auf regionale Besonderheiten und landespolitische Vorlieben keine Rücksicht nehmen", so der Forscher. "Dass der Wettbewerb mit solcher Brutalität kommt, haben die Unternehmen nicht erwartet", sagte Hillebrand.

Die regionalen Zusatzbelastungen aus der Einspeisung von regenerativ erzeugtem Strom nehmen sich nach RWI-Berechnungen marginal aus. In Schleswig-Holstein belaufen sie sich etwa gegenwärtig auf 113 Mill. DM. Sie erreichen damit nicht einmal ein Zehntel der Zusatzkosten, die bis 1995 in NRW für die Verstromung heimischer Steinkohle aufgewendet wurden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben