Wirtschaft : Im Osten prüfen die Finanzbeamten am schärfsten

Studie: In Bayern und Hamburg ist der Fiskus weniger streng / Berlin liegt im Mittelfeld

Stefan Kaiser

Berlin – In Ostdeutschland müssen Unternehmer mit deutlich strengeren Finanzbeamten rechnen als in Westdeutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Magazins Impulse und des Marktforschungsinstituts Forum unter mehr als 2000 Steuerberatern. Demnach legen die Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen die Steuergesetze für Unternehmer im Schnitt deutlich härter aus als in anderen Bundesländern.

„Von den zehn schärfsten Finanzämtern liegen sieben im Osten“, sagte Impulse-Chefredakteur Klaus Schweinsberg am Mittwoch in Berlin. Deutschlands strengste Beamte sitzen demnach im sächsischen Annaberg. Besondere Milde waltet im Finanzamt Stuttgart III. Dort sähen sich die Beamten eher als Moderatoren, erklärte Schweinsberg.

Im Mittel schnitten die Bundesländer Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen am besten ab. „Auch dort wird nach Recht und Gesetz gearbeitet, aber eben kommunikativer“, sagte Schweinsberg. Die Gründe dafür sieht er vor allem in der „liberalen Tradition“ der Hansestädte und der süddeutschen Länder. Außerdem seien die Finanzbeamten dort oft selbstbewusster als etwa die im Osten. In den neuen Bundesländern hätten die Beamten häufig Angst vor Fehlern und hielten sich deshalb besonders genau an die Gesetzestexte. Das sagten jedenfalls die befragten Steuerberater.

Daneben lieferten die Experten eine weitere Begründung für das schlechte Abschneiden der Ostdeutschen: „Bei den Beamten gibt es wohl ein Bestreben, besser zu sein als die Kollegen im Westen – und besser wird dann als schärfer interpretiert“, sagte Schweinsberg.

Innerhalb Berlins konnte die Untersuchung kein Ost-West-Gefälle erkennen. So liegt das strengste Finanzamt im tiefen Westen – in Zehlendorf. Danach folgen Hellersdorf/Marzahn und Neukölln. Die mildesten Berliner Finanzbeamten sitzen in Charlottenburg und im Wedding. Im Ranking der Bundesländer liegt Berlin auf Platz neun und damit im Mittelfeld.

Für Schweinsberg ist das strenge Verhalten vieler Finanzbeamter vor allem ein Nachteil für die jeweilige Region. „Finanzämter, die sich so gebärden, sind ein negativer Standortfaktor, der die Unternehmen aus dem Land treibt“, sagte Schweinsberg. Wenn ab 1. April die Finanzämter wie geplant über eine zentrale Abfrage alle Kontendaten der Steuerzahler einholen dürften, werde dieser Nachteil noch deutlicher.

Für die Studie hatte das Meinungsforschungsinstitut Forum 2200 Steuerberater befragt, pro Finanzamt mindestens fünf. Sie sollten bewerten, wie streng die jeweiligen Ämter bei Steuererklärung, Betriebsprüfung, Versteuerung von Kapitalerträgen, Steuerfahndung und Umsatzsteuer-Sonderprüfung waren. So wurde beim Thema Steuererklärung etwa gefragt, welche privaten Einkünfte die Unternehmer nachweisen mussten. Bei der allgemeinen Betriebsprüfung spielte zum Beispiel die Unnachgiebigkeit der Finanzbeamten eine wichtige Rolle.

Da Unternehmer und private Steuerzahler in der Regel von den selben Beamten betreut würden, seien die Ergebnisse teilweise auf Privatpersonen übertragbar, erklärte Schweinsberg. Entscheidend für die Strenge des Finanzamtes sei meist die Behördenleitung, die das Klima maßgeblich beeinflusse.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben