Wirtschaft : Im Osten verdient man weniger Ein Sechstel niedrigere Gehälter als im Westen

Düsseldorf - Trotz einer weitgehenden Angleichung bei den Tariflöhnen verdienen Arbeitnehmer in Ostdeutschland im Schnitt noch immer 17 Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen. Das sei die Folge der weitaus geringeren Tarifbindung in den fünf neuen Ländern, erklärte der Tarifexperte der Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck, am Freitag in Düsseldorf. In den ostdeutschen Ländern fehle die im Westen über Jahrzehnte gewachsene „Tarifkultur“, erklärte Bispinck. Nur wenn Tarifverträge in mehr Firmen und Branchen gälten, bestehe eine „echte Chance“, die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West zu überwinden.

Dieser Aufgabe müssten sich in erster Linie die Tarifvertragsparteien stellen, betonte Bispinck. „Aber es bleibt auch eine Herausforderung der Politik.“ Allgemeine oder auch branchenspezifische Mindestlöhne könnten dafür eine Grundlage schaffen. Nach den Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung haben sich die Tariflöhne zwischen Ost und West inzwischen weitgehend angeglichen. Die tariflichen Grundvergütungen in den neuen Ländern beliefen sich Ende 2010 auf rund 96 Prozent der in den alten gezahlten. 1991 nach der Wiedervereinigung waren es demnach lediglich 60 Prozent. Da der Einkommensrückstand bei den ostdeutschen Beschäftigten ohne Tarifvertrag aber größer sei, ergebe sich im Zusammenhang mit der generell niedrigeren Tarifbindung ein effektiver Bruttolohnrückstand von 17 Prozent. AFP

Warum Arbeitnehmer im Osten so wenig verdienen, lesen Sie am Sonntag im Wirtschaftsteil.

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