Wirtschaft : Im Reich des Mittelstands

Obwohl sich Chinas Handel abschwächt, erwarten deutsche Firmen weiter zweistellige Wachstumsraten.

Nanjing - Von zweistelligen Zuwachsraten können viele Unternehmer in Deutschland nur träumen. Doch in China sind sie Realität – auch wenn die nach den USA größte Volkswirtschaft der Welt zuletzt eine leichte Abschwächung erlebt. Im März überstiegen die Ausfuhren die Einfuhren von China um 5,35 Milliarden Dollar, wie der Zoll mitteilte. Im Februar war angesichts massiv angestiegener Importe sogar noch ein Außenhandelsdefizit von 31,5 Milliarden Dollar angefallen.

„Letztlich zeugen die schleppenden Exportzuwächse von der Krise in der Eurozone“, kommentierte der Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank die jüngsten Statistiken. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik. Gitzel zufolge verliere außerdem die chinesische Binnenkonjunktur an Dynamik, die Nachfrage sinke. Der weltweit größte Abnehmer von Rohstoffen importierte im März indes noch 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Für viele deutsche Firmen, die in China ansässig sind, ist das eine „Normalisierung“, hieß es in einer Umfrage. Die Geschäftsaussichten dort seien unverändert gut. In China sind derzeit rund 5000 deutsche Unternehmen mit fast 200 000 Mitarbeitern präsent. Wegen seiner wachsenden Bedeutung ist das Reich der Mitte in diesem Jahr das Partnerland auf der Hannover-Messe, der größten Industriemesse der Welt, vom 23. bis 27. April.

Viele deutsche Unternehmen sind schon seit den 90er Jahren in China aktiv. Von ihrem Engagement profitieren auch die Muttergesellschaften in Deutschland, weil sie in der Regel aus der Heimat dazuliefern.

So wie der Mittelständler Phoenix Contact aus Blomberg in Ostwestfalen-Lippe. Der Hersteller von Elektro-Steckern und -Klemmen begann sein China-Geschäft 1993 in der ostchinesischen Metropole Nanjing. Heute generiere jeder Euro Umsatz in China fast einen weiteren Euro Umsatz in Deutschland. „55 Prozent unseres Umsatzes von 183 Millionen Euro sind in China produziert, aber den Rest von 45 Prozent liefern wir aus Deutschland dazu“, sagte Vertriebschef Frank Stührenberg. Der Betrieb reinvestiere seinen Gewinn in China vor Ort. „Wir würden nicht neu investieren, wenn wir nicht weiteres Wachstum erwarteten“, sagt Stührenberg.

Festo, ein Anbieter von Automatisierungstechnik aus Esslingen in Baden- Württemberg, rechnet nach einem Wachstum in China von bisher gut 20 Prozent immer noch mit jeweils 16 Prozent in den nächsten Jahren. „Festo wächst schneller als der Markt“, sagte Geschäftsführer Qiu Hualai. Die zunehmenden Aktivitäten in China gingen nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland. Stärker noch ist das Wachstum des Dreh- und Fräsmaschinenherstellers DMG Gildemeister, der 20 bis 30 Prozent erwartet. DMG-Manager Franz Michael Oppermann ist überaus optimistisch: „Wir sind gerade erst dabei, uns den Markt zu erarbeiten.“ rtr/dpa

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