Wirtschaft : Im Rolls-Royce-Poker hält BMW alle Asse

THOMAS MAGENHEIM[MÜNCHEN]

BMW-Vorstand Teltschik gibt Interesse an britischer Nobelmarke zu / RR-Mutter muß offenbar feindliche Übernahme abwehrenVON THOMAS MAGENHEIM, MÜNCHEN

Seit der spektakulären Übernahme von Rover steht das Kürzel BMW bei britischen Autojournalisten für einen Konzern namens British Motor Works.Hierzulande firmiert die Münchner Marke bis auf weiteres als Bayerische Motoren Werke AG.Anglophile Neigungen sind den bajuwarischen Autobauern aber nicht abzusprechen.Der Jetturbinenbauer BMW Rolls-Royce, Rover, ein weiteres Milliardeninvestment für ein Motorenwerk bei Birmingham, die Lieferung von Motoren und anderen Komponenten für die Nobelmarke Rolls-Royce Motor Cars Ltd.- BMW ist mit der Insel fest verbunden.Nun scheint die Krönung zu folgen."Wir haben ein großes Interesse an Rolls- Royce.Allerdings werden wir nicht bereit sein, jeden Preis zu zahlen," sagte BMW-Vorstand Horst Teltschik jetzt dem Info-Radio Berlin. Damit brach der Manager erstmals das Schweigen zur jüngsten Verkaufsofferte der Rolls-Royce-Mutter Vickers Plc.BMW habe Vorteile im Ringen um die Nobelmarke, denn als Zulieferer kenne man die Briten sehr gut.Trotz Teltschiks klaren Worten will die BMW-Pressestelle kein Interesse für Rolls-Royce bestätigen.Die Äußerungen ihres Vorstands seien nicht zu erklären.Viêkers-Chef Sir Colin Chandler "hat längst einen Käufer an der Hand", lautet eine Vermutung aus der Vorstandsetage der Automobilbranche.Das Ausloben der letzten britischen Automarke diene nur dem Zweck, den Preis in die Höhe zu treiben.Die Financial Times berichtete zudem am Freitag, Viêkers müsse eine "feindliche Übernahme" durch den Autozulieferer Mayflower abwehren und daher eigene Aktien im Wert von 300 Mill.Pfund zurückkaufen.Mit dem Rolls-Royce-Verkauf wolle Vickers die "Kriegskasse" für die Abwehrschlacht füllen. Der Preis von Rolls-Royce liegt dem Vernehmen nach bei rund 1,2 Mrd.DM.Faktisch spricht vieles, wenn nicht alles, für BMW als künftige Rolls-Royce-Mutter.Für die nächste Modell-Generation liefern die Münchner Acht- und Zwölf-Zylinder-Motoren für Rolls-Royce und Luxuskarossen der ebenfalls zum britischen Konzern zählenden Marke Bentley.Beim Ringen um den Lieferauftrag wurde damals überraschend der Konkurrent Mercedes ausgebremst. In den britischen Nobelgefährten schlägt demnächst aber nicht nur ein bayerisches Herz.BMW liefert auch Bremssysteme, Airbags, Sitze und Elektronik-Komponenten an Rolls-Royce.In einer vorerst auslaufenden Kooperation fertigt die britische BMW-Tochter Rover darüber hinaus Rohkarosserien für die Nobelmarke.Ein Rolls-Royce stammt künftig mit Blick auf die Wertschöpfung zu etwa der Hälfte aus dem BMW-Konzern. Technologisch hat BMW bei Rolls-Royce sicher mehr als nur einen Fuß in der Tür.Das gilt auch für die Namensrechte an Rolls-Royce, die laut Branchenkreisen seit 1971 beim gleichnamigen Turbinenbauer liegen.Der überläßt Vickers bislang die Nutzungsrechte am Namen gegen eine symbolische Gebühr.Jeder künftige Käufer müßte "britische Interessen verfolgen", um die Nutzungsrechte zu erhalten, heißt es.Die British Motor Works BMW sind mit dem Turbinenbauer Rolls-Royce über die BMW Rolls Royce GmbH, Oberursel, verbunden und haben auch von daher gute Karten. Wie weit das Interesse der Münchner wirklich geht, ließ das Konzept Java vermuten.Unter diesem Namen wollte BMW zusammen mit den Briten ein Bentley-Cabrio für das nächste Jahrtausend entwickeln.1995 wurde das Projekt begraben mit der offiziellen Begründung, es rechne sich nicht.Inoffiziell kursierte ein anderer Grund.BMW habe die mehrere hundert Millionen DM teuere Entwicklung finanzieren wollen, dafür aber eine Beteiligung an Rolls-Royce Motor Cars gefordert.Das habe Vickers-Chef Chandler damals abgelehnt, hieß es. Doch bald darauf wurden die Fiat-Tochter Ferrari, Ford, Daimler und VW als Kaufinteressenten neben BMW genannt.Ford und Daimler haben inzwischen offiziell abgewunken.Ferrari und VW verweigern jeden Kommentar, was nicht auf Desinteresse deutet. Für die Italiener und Wolfsburger spricht ihre Hersteller-Strategie.Anders als etwa Daimler, die eine Dachmarken-Strategie fahren und jedes Segment von der A-Klasse bis zum Maybach aus dem eigenen Hause bedienen wollen, setzen Volkswagen und Fiat (wie auch BMW) auf eigenständige Hersteller in einem Konzernverbund."Audi kauft Rolls-Royce nicht," stellte der Chef der VW-Tochter Audi, Franz-Josef Paefgen jüngst klar.Ob das auch für die Konzernmutter gilt, sagte er nicht.Trotz aller Vorteile haben die Münchner Rolls-Royce wohl noch nicht sicher im Netz.In der Konzernzentrale dürfte das Geld nach dem Rover-Kauf, sich türmenden Anlaufverlusten im Geschäft mit Jetturbinen und diversen Großinvestitionen zudem nicht mehr so locker sitzen.Darüber hinaus hat BMW in Großbritannien dem Vernehmen nach nicht nur gute Erfahrungen gesammelt.Zwischen Tochter Rover und Mutter BMW soll es trotz Dementis Reibungsverluste geben.Rolls-Royce könnte im Fall einer erneuten bayerisch-britischen Lösung eher noch mehr Beharrlichkeit zeigen und Management-Philosophien von BMW eigenes Selbstverständnis entgegensetzen.Letztlich dürfte beim Verkauf nicht nur der Preis, sondern die Entwicklungschance von Rolls-Royce unter dem Dach des künftigen Besitzers den Ausschlag geben.In dieser Hinsicht hatten sich die Briten schon vor drei Jahren festgelegt: "Mercedes und BMW kommen uns sicher am nächsten," hieß es.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar