Wirtschaft : Im Schnitt 15 000 Arbeitslose mehr

BERLIN (alf).Die Zahl der arbeitslosen Berliner wird in diesem Jahr voraussichtlich um 15 000 über dem Vorjahresniveau (265 000) liegen.Allerdings "wird sich die wirtschaftliche Perspektiv für Berlin zum Ende des ersten Halbjahres etwas aufhellen", meinte Arbeitssenatorin Christine Bergmann am Freitag anläßlich der Vorlage des Berliner Arbeitsmarktberichts 1997/98.Das Wachstum in der Stadt werde im laufenden Jahr zwischen 0,5 und 1,5 Prozent liegen; 1997 war die Berliner Wirtschaft um 0,7 Prozent gewachsen und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (2,2 Prozent) geblieben.Dem Bericht zufolge ist die Zahl der Erwerbstätigen im vergangenen Jahr um 57 000 auf 1,44 Millionen gesunken.Von 1990 an sind nunmehr 300 000 Arbeitsplätze in der Stadt verlorengegangen.

Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind junge und alte Berliner.1997 waren im Schnitt 28 000 Personen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet.Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich von 17,4 Prozent im Jahr 1996 auf 20,1 Prozent.Zum Vergleich: Im Bundesdurschnitt lag die Quote "nur" bei 12,2 Prozent.Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Arbeitlosen, die älter als 55 Jahre sind, um 14,7 Prozent auf 48 300.Länger als ein Jahr arbeitslos waren Ende 1997 rund 89 000 Berliner und damit 15,1 Prozent mehr als im Vorjahr.Negativ machten sich in der Statistik die Kürzungen bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bemerkbar: Rund 52 300 Personen waren auf dem sogenannten zweiten Arbeitsmarkt tätig, 15 800 weniger als 1996.In dem Zusammenhang kritisierte die Arbeitssenatorin, daß die Bundesregierung jetzt verstärkt Mittel zur Arbeitsförderung einsetzt, "nachdem sie diese Mittel im vergangenen Jahr drastisch gekürzt hatte".Diese "Stop-and-go-Politik" mache eine auf lange Sicht ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik unmöglich.Positiv bewertete die Senatorin, daß seit Beginn des Jahres in ganz Berlin Lohnkostenzuschüsse gewährt werden für Unternehmen, die einen Arbeitslosen einstellen.Allerdings werde dieses Instrument in Berlin kaum genutzt.Während in Brandenburg bis Ende Mai in 17 041 Fällen ein Lohnkostenzuschuß in Anspruch genommen wurde, waren es in Berlin lediglich 4124 Förderfälle.Immerhin betrage der Zuschuß 2162 DM pro Monat.

Die Berliner Arbeitsmarktpolitik habe sich im vergangenen Jahr "im Spannungsfeld zwischen der notwendigen Konsolidierung des Landeshaushalts und Kürzungen der Arbeitsförderung auf Bundesebene bewegt".Dabei wurden folgende Schwerpunktbereiche gefördert: Für 31 500 Personen gab es eine Kofinanzierung zum Beispiel für ABM; 11 500 Berliner fielen unter die Rubrik "Unternehmensorientierte Arbeitsförderung", dazu zählen Modellprojekt zu Produkt- und Prozeßinnovationen sowie die Förderung von Existenzgründern.In beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen wurden 11 700 Berliner gezählt und 13 800 entfielen auf die sogenannte Zielgruppenförderung.Dahinter verbergen sich Lohnkostenzuschüsse für besondere Zielgruppen, Arbeitsförderbetriebe sowie Programme für arbeitslose Sozialhilfeempfänger.Zusätzlich gefördert wurden vom Land 19 500 junge Leute im Bereich der beruflichen Erstausbildung.Ungeachtet der "eigenständigen Beschäftigungspolitik auf hohem Niveau" mahnte Bergmann "besondere Maßnahmen" für Jugendliche an.Ferner sei es angesichts der steigenden Zahl von Sozialhilfeempfängern "dringend notwendig, Sozialhilfe verstärkt als Lohnkostenzuschuß zu nutzen, um so die Sozialhilfeempfänger verstärkt in den Arbeitsmarkt zu integrieren".

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