Wirtschaft : Im Süden Europas ist die D-Mark offizielles Zahlungsmittel

Rolf Obertreis

Inflation droht keine, denn mehr Banknoten druckt die Bundesbank für das ehemalige Jugoslawien nichtRolf Obertreis

In Montenegro kann man nun auch mit der D-Mark bezahlen. Das hat die montenegrinische Regierung beschlossen, ohne die Bundesbank vorher um ihre Zustimmung zu bitten. Eine solche Konsultation, so Vizepräsident Jürgen Stark, ist jedoch auch kein Muss. Jede Regierung kann sich einseitig für einen solchen Schritt entscheiden, ohne in Frankfurt nachfragen zu müssen. Genauer gesagt bei der Bundesbank und bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit Januar auch die geldpolitische Verantwortung für die D-Mark trägt. Schließlich ist die D-Mark eine frei konvertierbare Währung. Sie kann unbeschränkt ein- und ausgeführt werden.

Für die Bundesbank und die EZB hat die Einführung der D-Mark als Zweitwährung in Montenegro deshalb genauso wenig Auswirkungen wie etwa im Kosovo, wo die Vereinten Nationen die D-Mark im September zur offiziellen Währung erhoben hat, oder in Bosnien-Herzegowina, wo die D-Mark schon seit zwei Jahren offizielles Zahlungsmittel ist. Das ist so, weil Bundesbank wie auch EZB keinerlei Verpflichtungen übernehmen. Die Geschäftsbanken aus Montenegro können sich in Frankfurt kein frisches Geld besorgen. Erst dadurch aber käme wirklich zusätzliche D-Mark in Umlauf. Durch den Umlauf der deutschen Währung im ehemaligen Jugoslawien drucken die Frankfurter nicht mehr Banknoten. Es drohen also keine Inflationsgefahren.

Aber die Bundesbank ist natürlich bereit, technische Hilfe zu leisten, etwa D-Mark-Banknoten gegen D-Mark-Münzen zu tauschen. Vor allem größere Banknoten zu 1000 oder 500 Mark haben die montenegrinischen Behörden bislang in Frankfurt gegen kleinere Scheine getauscht. Angeblich soll bislang eine Gesamtsumme von etwa 50 Millionen Mark gewechselt worden sein. Nach Angaben von montenegrinischen Zeitungen sollen bereits mehrere tonnenschwere Geldkisten per Flugzeug nach Kroatien gebracht und von dort per Lkw nach Montenegro transportiert worden sein.

Auch wenn die offizielle Einführung der D-Mark in Montenegro politisch für das Verhältnis zu Serbien ein heikles Thema ist: Eigentlich wird nur die übliche Verwendung der D-Mark legalisiert. Schon seit Jahren ist die deutsche Währung auf dem Balkan ein gängiges Zahlungsmittel. Die Stabilität der D-Mark ist in dieser Region hochgeschätzt.

Aber mehr als ein offizielles Zahlungsmittel ist die D-Mark auch in Montenegro nicht. Montenegro ist kein eigenständiger Staat, sondern gehört juristisch zu Serbien. Der jetzt eingesetzte Finanzrat hat deshalb auch nicht die Befugnisse einer Zentralbank. Es gibt damit auch keine eigenständige Geld- und Zinspolitik. Der Bestand an Scheinen und Münzen dürfte aber trotzdem groß genug sein: Schätzungen zufolge sollen in ganz Jugoslawien rund zwei Milliarden D-Mark an Bargeld in Umlauf sein.

Wenn Anfang 2002 der Euro als offizielles Zahlungsmittel auch die D-Mark ablöst, wird man auch in Montenegro wieder umdenken müssen. Dann müsste der Euro zur offiziellen Zweitwährung werden. "Wenn jemand den Euro verwenden will, kann das niemand verbieten oder verhindern", sagt Bundesbank-Vize Stark.

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