Wirtschaft : Im Westen wächst der Optimismus

DÜSSELDORF (Tsp).In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt veröffentlicht der Tagesspiegel einmal im Monat eine Konjunkturkolumne und wirft einen Blick auf die Wirtschaftslage.Der Frühindikator soll frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte im Westen anzeigen und berücksichtigt dabei aktuelle Branchendaten, gleiches signalisiert das Konjunkturbarometer im Osten.Die Konjunktur im Westen gibt Anlaß zu vorsichtigem Optimismus, im Osten hingegen sind die Aussichten nach wie vor trübe.Für die alten Bundesländer hat der Frühindikator im Juni seinen Erholungskurs nicht nur fortgesetzt, sondern auch beschleunigt.Mit 1,9 Prozent übertraf er deutlich das Mai-Niveau von 1,6 Prozent.Und die Anzeichen mehren sich, daß sich die Konjunktur im Westen in der zweiten Jahreshälfte erholen wird.Faßt man die Monatswerte des Frühindikators im zweiten Vierteljahr zusammen, so signalisiert der Indikator wieder einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,7 Prozent.Zur Erholung des Frühindikators hat insbesondere ein überraschender Umsatzanstieg im gesamtdeutschen Einzelhandel beigetragen.Gegenüber dem Vormonat waren vor allem Kraftfahrzeuge, Kleidung und Lederwaren gefragt.Auch die Nachfrage nach Industrieprodukten und Bauleistungen war im ersten Vierteljahr - trotz leichter Rückgänge im März - höher als ein Quartal zuvor.Dennoch ist Vorsicht geboten.Schon im November vergangenen Jahres war mit einem Umsatzanstieg die Hoffnung auf ein Ende der Flaute im Einzelhandel aufgekeimt - und erloschen.Und das Geschäftsklima hat sich im April wieder verschlechtert.

Das Konjunkturbarometer für die neuen Länder ist im Mai drastisch gefallen.Es gab gegenüber April um einen vollen Prozentpunkt nach und landete bei nur noch 3,2 Prozent.Damit hat es zum ersten Mal seit Mai vergangenen Jahres auch wieder den Vorjahreswert unterschritten (4,1 Prozent).Den Ausschlag für diese Entwicklung hat ein dramatischer Stimmungseinbruch in der ostdeutschen Wirtschaft gegeben.Neben der schwachen Nachfrage im ersten Quartal - sie unterschritt das Volumen des Vorquartals saisonbereinigt um 2,5 Prozent - dürften dabei auch die im April in Kraft getretenen Ökosteuern eine Rolle gespielt haben, ebenso die Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse.Besonders das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe der neuen Länder hat sich sehr verschlimmert, zumal die Aufträge zurückgegangen sind.Damit hat das Verarbeitende Gewerbe seine Rolle als Konjunktur-Stabilisator in den neuen Ländern eingebüßt.Auch im Groß- und Einzelhandel überwiegt wieder der Pessimismus - nicht auszuschließen ist aber, daß diese Unternehmer allzu heftig auf die umstrittene Neuregelung der 630-DM Jobs reagiert haben.Allein psychologische Effekte können es aber nicht gewesen sein.Denn wie im Westen berichten auch die ostdeutschen Einzelhändler von Umsatzrückgängen und rechnen mit sinkenden Verkaufspreisen.Im Bau dagegen scheint sich Konjunktur zu stabilisieren.

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