Wirtschaft : Immer an der Wand lang

Spalierobst – wie und wo Apfel, Birne & Co. sich gerne hängen lassen

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Birnen ein U oder ein O vormachen. Fünf Zentimeter Abstand des Spaliers von der Hauswand sind Pflicht. Foto: Tassilo Wengel
Birnen ein U oder ein O vormachen. Fünf Zentimeter Abstand des Spaliers von der Hauswand sind Pflicht. Foto: Tassilo Wengel

Es war im späten 16. Jahrhundert, als in französischen Schlossgärten das erste Spalierobst an Mauern gezogen wurde. Vor allem Wärme liebende Arten wie Aprikosen, Pfirsich und Birne lieferten an diesen Spalieren besonders schmackhafte Früchte. Die Spalierformen können sehr verschieden sein und reichen von einfachen U-Formen über Doppel-U-Formen, Fächer und Palmetten bis zu den unterschiedlichsten Mustern. In jedem Fall vereinen solche Spaliere Schönheit und Nutzen miteinander. Sie tragen nach fachgerechtem Schnitt reichliche Früchte und sind außerdem schön anzusehen. Man kann damit Wände gestalten, sie aber auch in kleinen Gärten platzieren. Kleine Spaliere lassen sich auch in Kübeln kultivieren. Damit solche Spaliere echte Hingucker sind, erfordern sie regelmäßigen Schnitt.

Obwohl sich für Spaliere neben Apfel und Birne auch Aprikosen, Kirschen und Pfirsiche eignen, werden vorwiegend Äpfel und Birnen an Spalieren gezogen. Der Grund ist, dass der notwendige Fruchtholzschnitt bei den anderen Obstarten recht kompliziert ist und eine gehörige Portion Fachwissen voraussetzt.

Spalierobst veredelt man vor allem auf schwach wachsende Unterlagen, damit sich das Früchte tragende Holz gleichmäßig entwickelt. Während man für ärmere Standorte sowie schwach wachsende Apfelsorten die Unterlage M 26 verwendet, wählt man auf schweren Böden und bei stark wachsenden Apfelsorten die Unterlage M 9. Birnen veredelt man vorwiegend auf Quitten.

Am einfachsten sind U- und Doppel-U-Formen zu erziehen, die etwa 2 Meter breit und 2,50 Meter hoch werden. Damit die Früchte möglichst viel Licht und Sonne erhalten, wählt man Südwest- bis Westlagen und Südost- bis Ostlagen. Ausgesprochene Südwände sind nicht zu empfehlen, weil die Pflanzen dort zu intensiv der Sonne und vor allem der Hitze ausgesetzt werden. Auch in Nordrichtung stehende Wände sind nicht geeignet. Der Abstand des Spaliers von der Hauswand sollte fünf Zentimeter betragen, damit eine ausreichende Zirkulation der Luft gewährleistet ist.

Pflanzzeit ist vor allem das Frühjahr oder der Herbst. Da die Obstgehölze auch in Containern angeboten werden, kann sich die Pflanzzeit im Frühjahr verlängern. Wichtig ist in jedem Fall, den Boden vor dem Pflanzen tiefgründig zu lockern und mit Kompost oder einem anderen gut verrotteten organischen Dünger anzureichern.

Am einfachsten ist ein U-Spalier zu erziehen. Man schneidet eine einjährige Veredlung etwa 30 Zentimeter über dem Boden ab und pflanzt das Bäumchen so, dass die beiden Knospen unterhalb der Schnittstelle parallel zum Spalier stehen. Die daraus entstehenden Neutriebe wachsen so bereits parallel zum Gerüst. Sie lässt man zunächst in der schrägen Form wachsen, wie sie wollen, und heftet sie locker an das Spalier an. Mitte August werden die Triebe waagerecht am Spalier befestigt und das Ende des Triebes wird senkrecht nach oben gebogen. Im Sommer entfernt man alle überzähligen Triebe und kürzt lange Triebe ein. Seitenzweige entspitzt (pinziert) man im Sommer nach dem siebenten oder achten Blatt, später empfiehlt sich, den Seitentrieb bereits nach dem vierten Blatt zu entspitzen, damit sich das Fruchtholz in der Nähe des Gerüstes bildet.

Wer Doppel-U-Spaliere bevorzugt, muss die Triebe der einfachen U-Form 20 bis 40 Zentimeter über der ersten Biegestelle zurückschneiden. Die sich daraus entwickelnden Triebe werden an Stäbe geheftet, die in den Boden gesenkt werden, und nach oben geleitet. Im Sommer erfolgt derselbe Rückschnitt wie bei der einfachen U-Form.

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