Wirtschaft : Immer mehr Auto

Im Schnitt geben die Deutschen fast 26 000 Euro für einen neuen Wagen aus / VW auf Rekordkurs

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Größer und teurer. Der Trend zum Kleinwagen ist offenbar vorbei. Mehr als die Hälfte der Autos, die hierzulande gekauft werden, sind aus der Mittel- oder der Oberklasse. Alles in allem geben die Kunden heute dreimal so viel Geld für ein neues Auto aus als vor 30 Jahren. Foto: picture-alliance/dpa
Größer und teurer. Der Trend zum Kleinwagen ist offenbar vorbei. Mehr als die Hälfte der Autos, die hierzulande gekauft werden,...Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Dem Klimawandel und der hohen Spritpreise zum Trotz lieben die Deutschen Autos und geben dafür auch so viel Geld aus wie noch nie. Das Car-Center an der Universität Duisburg-Essen hat ermittelt, dass für einen Neuwagen in diesem Jahr 25 740 Euro bezahlt werden. Dabei geht der Trend zu immer größeren Fahrzeugen mit besserer Ausstattung. Umgekehrt sank der Anteil der Klein- und Kompaktwagen von gut 53 Prozent im vergangenen Jahr auf knapp 49 Prozent.

Nach Krise und Abwrackprämie im Jahr 2009 und dem sich anschließenden schwachen Jahr 2010 zeigt sich die starke Nachfrage auch bei den Wartezeiten. Wer sich einen VW oder einen Audi bestellt, das sind die deutschen Marken mit den längsten Lieferzeiten, muss gegenwärtig vier Monate auf das Auto warten. „Bei speziellen Modellen wie beim Golf Blue Motion beträgt die Lieferzeit sogar 7,5 Monate“, schreibt das Car-Center. „Die Kassen für VW klingeln so stark wie noch nie.“

Tatsächlich verkaufte der VW-Konzern in den ersten fünf Monaten 3,37 Millionen Autos, das waren fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Konzernchef Martin Winterkorn will mit den Marken VW, Audi, Skoda, Seat und den VW Nutzfahrzeugen bis 2018 Toyota als größten Autohersteller der Welt ablösen. Womöglich fallen die Japaner aber bereits in diesem Jahr hinter General Motors und Volkswagen zurück, denn der Marktführer erholt sich nur langsam von Erdbeben und Atomkatastrophe. Die Toyota-Werke in Nordamerika fahren jetzt wieder hoch und sollen im September die normale Auslastungsstufe erreichen. In Japan selbst will Toyota im November das Vorkrisenniveau erreichen. Aufgrund der Ausfälle erwartet der Konzern einen Gewinnrückgang im laufenden Jahr um ein Drittel. Dabei ist offen, wie stark Produktion und Absatz einbrechen. Das Niveau des vergangenen Jahres, als Toyota 8,4 Millionen Fahrzeuge verkaufte, wird mit Sicherheit nicht erreicht. Der Absatz von Volkswagen lag damals bei 7,2 Millionen. Wenn sich das Absatzwachstum der ersten fünf Monaten fortsetzt, dürfte VW 2011 rund 8,2 Millionen Fahrzeuge ausliefern und damit vor Toyota liegen.

Auf dem Weltmarkt insgesamt wurden in den ersten fünf Monaten 2011 knapp sieben Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. VW liegt mit seinem Plus um 14,6 Prozent deutlich darüber und kann sich also zusätzliche Marktanteile sichern. Besonders gut liefen die Geschäfte der Wolfsburger wieder in China, wo es mit 921 000 VW und Audi ein Absatzwachstum um 18,4 Prozent gab. Überdurchschnittlich gut schnitt der VW-Konzern auch in Zentral- und Osteuropa sowie in Nordamerika ab. Hierzulande verkaufte der VW-Konzern zwischen Januar und Mai 475 000 Autos (plus 8,7 Prozent).

Die Deutschen geben heute fast dreimal so viel Geld für einen Neuwagen aus als 1980. Umgerechnet auf Euro lag der Durchschnittspreis damals bei 8420. „Allerdings betrug 1980 die Mehrwertsteuer statt 19 nur 13 Prozent“, schreibt das Car-Center. Damals kassierte der Staat pro Neuwagen 969 Euro, heute sind es 4110 Euro Mehrwertsteuer.

Von den untersuchten Automarken hat die rumänische Dacia binnen Jahresfrist den größten Preissprung gemacht. Inzwischen kostet ein neuer Dacia 12 121 Euro, das sind fast 1400 Euro mehr als vor einem Jahr. „Überraschend ist auch, dass der Smart-Käufer im Schnitt weniger Geld für den Neuwagen anlegt als der Dacia-Käufer“, schreibt das Car-Center in seiner Studie über die Neuwagenpreise.

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