Wirtschaft : Immer mehr Debütanten springen ab

UTE WATERMANN HB

DÜSSELDORF .Plazieren oder verschieben? Die Kurseinbrüche von knapp 30 Prozent im vergangenen Monat am deutschen Aktienmarkt verderben vielen Börsenkandidaten die Freude am Börsengang.Wer den Emissionserlös nicht für anstehende Expansionen verplant hat, wartet ab.Von den rund vierzig noch für dieses Jahr geplanten Neuemissionen haben knapp zwanzig Unternehmen den Gang an die Börse auf nächstes Jahr verschoben.Die anderen Börsendebütanten wollen dagegen ihren Terminplan einhalten - wenn auch nicht um jeden Preis.Sollte sich das Kursniveau drastisch verschlechtern, werde kurzfristig umdisponiert, teilten die Unternehmen auf Anfrage mit.

Neben PC-Spezialist Franchise AG haben jetzt Südwest Finanz Holding AG, Centrotec Hochleistungskunststoffe AG, Future Holding, Jobs & Lemcke Wertpapierhandels-AG sowie Bran+Luebbe AG beschlossen, ihre Emission zu verschieben - wegen der Börsenlage.Das von Experten prognostizierte "weitere Rückschlagspotential im Dax" sei der Grund für die Entscheidung, teilte PC-Spezialist mit.Das Unternehmen vergibt Franchise-Lizenzen im Computereinzelhandel.Auch der Future Holding ist das Risiko zu groß.Zu viele Börseneinführungen würden derzeit im Desaster enden.Wie die Emission der belgischen Mobistar NV am Dienstag dieser Woche: Die Aktie brach kurz nach Markteinführung ein.Der Immobilien- und Finanzdienstleister Südwest Finanz, der Mitte Oktober an die Börse gehen wollte und mit einem Emissionserlös von rund 105 Mill.DM gerechnet hatte, wartet ebenfalls auf eine günstigere Situation im nächsten Jahr.Ob der Aufschub auch mit der kritischen Berichterstattung über die Südwest in Branchenblättern zu tun hat, bleibt offen.

Auf höhere Emissionspreise im Frühjahr hoffen auch SAG Solar AG und die Value Holdings AG.Andere Firmen wie Elexis Elektroholding AG und die noch als GmbH firmierende MBB Security Cars gehen ohne Angabe von Gründen dieses Jahr nicht mehr an die Börse.Selbst Kandidaten, die den Börsengang noch für dieses Jahr planen, halten sich bedeckt."Noch läuft alles nach Plan, aber wir beobachten den Markt genau", sagt der Sprecher der Homag AG.Auch PrimaCom, eine für den 16.Oktober geplante Fusion aus Kabelmedia AG, AGFB AG und Südweda AG, sowie die UCA Unternehmer Consult AG und Porta Systems AG halten ihre Termine nur ein, wenn sich der Markt stabilisiert.

Andere Börsenaspiranten wollen dagegen termingerecht debütieren - unabhängig von der aktuellen Börsenlage."Wir erwarten hohe Steigerungsraten.Und wenn der Kurs wieder nach oben geht, sind wir schließlich mit dabei", sagt ein Sprecher der Herzog Telekom.Er hofft, daß der Markt in der Telekommunikationsbranche durch die Baisse bereinigt wird - von den Anbietern, die bisher zu hoch dotiert ins Rennen gegangen sind.Auch Datadesign AG, AC-Service AG, Articon Information System AG, Value Management+Research AG sowie Ceotronics AG sehen keinen Anlaß für eine Terminverschiebung.Ebensowenig die Computer-Media-AG."Die Wertsteigerungen, die wir durch die Expansion erreichen, sind so viel höher als der Verlust durch die aktuelle Börsenlage, daß sich für uns der Gang rechnet", sagt das Management.Ähnlich die Solartechnikfirma Solon AG.Sie hat gerade grünes Licht für die termingerechte Emission gegeben.Das Unternehmen baut auf das rot-grüne Regierungsprogramm, das der Solarenergie neuen Auftrieb geben soll.

Eine Übersicht über Neuemissionen finden Sie im Internet unter der Web-Adresse "http://www.handelsblatt.de/cgi-bin/neuem-neu.pl" .

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