Wirtschaft : Immer mehr Reisen starten online

Mit Touropa.com präsentiert sich auf der ITB der erste virtuelle Reiseveranstalter

Tanja Kewes

Berlin - Für das nette Reisebüro um die Ecke wird es ernst. Zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin startete am Donnerstag mit Touropa.com der erste Internet-Reiseveranstalter, der wie ein klassischer Anbieter die Garantie für die komplette Reise übernimmt. Bisher haben sich Online-Anbieter nur um die Reisevermittlung gekümmert, die Haftung lag beim jeweiligen Veranstalter. „Nun entsteht ein virtueller Reise-Marktplatz mit der Sicherheitsgarantie einer deutschen Veranstalterreise“, sagte Georg Eisenreich, Geschäftsführender Gesellschafter von Touropa.com. Auf dem Portal, das Eisenreich in Kooperation mit Tui betreibt, können sich Kunden ihre Reise individuell und in direktem Kontakt mit den Anbietern zusammenstellen.

Immer mehr Menschen buchen online ihre Reise. Nach Schätzungen der Münchener Forschungsgruppe Ulysses Web-Tourismus machte die Reisebranche 2004 im Internet einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro – ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen am touristischen Gesamtumsatz des vergangenen Jahres, den der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband auf 18 Milliarden Euro beziffert, sind das zehn Prozent.

Auch bei den Reisekonzernen boomt der Internet-Vertrieb. Bei Europas größtem Veranstalter Tui macht dieser zehn Prozent aus. 2004 steigerte Tui den Umsatz im Netz um 75 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Ähnlich sieht es bei Thomas Cook aus. Sieben Prozent des Umsatzes erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Geschäftjahr online. Allein in Deutschland waren das 74 Millionen Euro. Tendenz kräftig steigend.

Den Weg ins Internet bereitet haben vor allem die Billigflieger, die ihre Tickets von Anfang an fast ausschließlich im Internet verkauften. Weiteren Schub bekam das Netz durch die Online-Tickets der Bahn sowie durch die geänderte Provisionspolitik der Lufthansa, die seit vergangenem Jahr Reisebüros keine Provision mehr zahlt.

„Der Online-Reisemarkt ist in Bewegung“, sagt Dominik Rossmann, Geschäftsführer der Forschungsgruppe Ulysses. So drängen zahlreiche neue Anbieter ins Netz. Weg.de etwa startet Mitte März flankiert von einer deutschlandweiten Werbekampagne. Das Online-Reisebüro setzt dabei vor allem auf einfache Bedienbarkeit. So soll man Reiseangebote nur nach dem Preis suchen können. Aber auch die etablierten Portale locken mit neuen Möglichkeiten. Anders als in den Anfangsjahren – als vor allem Restkontingente von Pauschalreisen verramscht wurden – können Kunden auf den Seiten von Expedia.de, Travelchannel.de und Lastminute.com ihre Tour auch individuell zusammenstellen. Dynamic Packaging heißt das in der Branche. Dafür greifen die Portale auf veranstalterübergreifende Datenbanken zurück, „die sich auch die Experten im Reisebüro wünschen würden“, sagt Michael Buller, Deutschlandchef von Lastminute.com. Ziel sei es, neben den drei Standards Hotel, Flug und Auto auch Freizeitangebote wie einen Tauchkurs oder das Musicalticket gleich mit anzubieten.

Lastminute.com ist nach zahlreichen Übernahmen in den vergangenen Jahren – unter anderem des auf Pauschalreisen spezialisierten Lastminute.de und dem weltweit größten Vermittler von Urlaubsmietwagen Holiday Autos – einer der größten Reisevermittler im Netz. Jetzt bietet das britische Unternehmen sogar Reisebüros seine Datenbanken und Suchmasken an. Diese Strategie, die verschiedenen Welten online und offline zu verbinden, hält Marktforscher Rossmann, für „sehr erfolgversprechend“.

Denn nach wie vor informieren sich viele Menschen nur im Internet, buchen aber schließlich im Reisebüro ihres Vertrauens. „Nur 1,5 Prozent derjenigen, die eine Homepage besuchen, buchen auch“, sagt Claudia Brözel, Vorstand beim Verband Internet Reisevertrieb (VIR), den die nach eigenen Angaben führenden Online-Reiseportale Expedia.de, Ebookers.de, Lastminute.com, Opodo.de und Travel24.de gegründet haben. Einendes Ziel ist es, für größtmögliche Transparenz und Sicherheit im Netz zu sorgen (siehe Kasten).

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