Wirtschaft : Immer mehr Senioren brauchen Geld vom Staat

630 000 Menschen erhalten Grundsicherung

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Berlin - Weil ihre Rente nicht ausreicht, sind in Deutschland immer mehr Menschen auf Hilfe vom Staat angewiesen. Rund 630 000 Bundesbürger bezogen im vergangenen Jahr Geld aus der gesetzlichen Grundsicherung. Im Schnitt erhielten sie 381 Euro. Die Grundsicherung wurde 2003 eingeführt, um Menschen im Alter und bei Erwerbsminderung den Lebensunterhalt zu sichern, ohne dass sie auf Sozialhilfe zurückgreifen müssen.

Um 20 Prozent ist die Zahl der Grundsicherungsempfänger im vergangenen Jahr gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Gegenüber 2003, dem Jahr der Einführung, waren es sogar 43 Prozent mehr.

Die Zahlen klingen dramatisch, doch Experten beschwichtigen. „Wir können momentan nicht von einer starken Altersarmut sprechen“, sagt Axel Börsch-Supan, Rentenexperte und Professor an der Universität Mannheim. „Bei Familien mit Kindern ist die Armutsquote mehr als dreimal so hoch.“ Der starke Anstieg, das betont auch das Statistische Bundesamt, gehe vor allem auf einen anfänglichen Bearbeitungsstau in den Behörden zurück.

Selbst der Paritätische Wohlfahrtsverband hält die Tatsache, dass knapp ein Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren zu den Grundsicherungsempfängern zählt, noch nicht für alarmierend. Allerdings warnt der Verband vor einem weiteren Anstieg. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Altersarmut wachsen wird“, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbands, dem Tagesspiegel. In den kommenden Jahren werde sich die Lage verschärfen, weil dann die Jahrgänge in Rente gingen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen gewesen seien und entsprechend weniger in die Rentenkasse eingezahlt hätten. Nach Berechnungen des Verbands wird die gesetzliche Durchschnittsrente ab dem Jahr 2022 unter dem Niveau der Grundsicherung liegen.

Auch Renten-Experte Börsch-Supan rechnet damit, dass durch Rentenkürzungen und unterbrochene Erwerbsbiografien deutlich mehr Menschen auf die Grundsicherung angewiesen sein werden. „Wer jetzt Ende 50 ist, hat aber in der Regel noch ein Polster, das ihn zumindest über die Grundsicherung hebt.“ stek

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