Wirtschaft : Immer weniger Arbeitslose

Niedrigste Erwerbslosenzahl seit 1995. In Berlin-Brandenburg fällt die Quote unter 15 Prozent

Yasmin El-Sharif

Berlin - Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich im September stärker erholt als erwartet. Trotz der Krise an den internationalen Finanzmärkten und erster Anzeichen einer schwächeren Konjunktur in Deutschland, meldeten sich erheblich weniger Menschen als in den Vormonaten bei den Agenturen arbeitslos. Zugleich stieg die Zahl der Erwerbstätigen deutlich. 3,54 Millionen Menschen waren in diesem Monat ohne Job, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mit – das sind rund 162 000 weniger als im August. Verglichen mit dem Vorjahresmonat waren es sogar fast 700 000 weniger. Saisonbereinigt, also unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse, fiel die Arbeitslosenzahl auf 3,69 Millionen.

Die Herbstbelebung sei in diesem Jahr besonders stark ausgefallen, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag. Eine niedrigere Arbeitslosenzahl habe es zuletzt im Oktober 1995 gegeben. Weder die Finanzkrise und der hohe Ölpreis noch der schwache Dollar und Hinweise auf eine nachlassende Konjunktur in Deutschland hätten sich bislang negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, sagte Weise. Der BA-Chef rechnet sogar damit, dass die Arbeitslosigkeit weiter abnimmt. Während es in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 3,8 Millionen geben werde, soll sie 2008 bei durchschnittlich 3,5 Millionen liegen. „Es gibt noch keinen Hinweis, dass wir die Zahlen revidieren oder korrigieren“, sagte Weise. Denn üblicherweise wirke sich der Einbruch der Konjunktur erst mehrere Monate später auf den Jobmarkt aus.

Bundeskanzlern Angela Merkel (CDU) bezeichnete die jüngsten Daten der BA als „erfreuliche Botschaften“. „Der Aufschwung kommt bei den Menschen an“, sagte sie am Donnerstag. Denn die Zahl der Beschäftigten sei die höchste seit der Wiedervereinigung.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im August 39,86 Millionen Erwerbstätige. Das waren 73 000 mehr als im Juli und sogar 637 000 mehr als im Vorjahr. Darunter fallen nach Angaben der BA auch viele sozialversicherungspflichtige Jobs. Allerdings liegen hier nur Juli-Zahlen vor. Demnach gab es rund 27 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte – ein Plus von etwas mehr als einer halben Million im Vergleich zum Vorjahr.

Auch die BA profitierte davon, dass mehr Menschen Arbeit fanden: Höhere Beitragseinnahmen und niedrigere Ausgaben beim Arbeitslosengeld führten bei der Behörde in den ersten neun Monaten zu einem Überschuss von 3,4 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet BA-Chef Weise mit einem Plus von bis zu 6,5 Milliarden Euro. Ob damit eine weitere Senkung des Versicherungsbeitrags finanziert werden kann, ließ Weise offen. „Wenn alles so kommt wie prognostiziert, dann wird der Spielraum für eine weitere Beitragssenkung da sein.“

Auch in Berlin und Brandenburg verbesserte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt im September, jedoch weniger deutlich als in anderen Bundesländern. Insgesamt sank die Erwerbslosenzahl um etwa 20 000 auf rund 440 000 Personen. Die Arbeitslosenquote fiel auf 14,4 Prozent.

Der DGB bezeichnete den Rückgang als „erfreulich, aber noch nicht beruhigend“. Die Entwicklung dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass „die Spaltung von Arbeitnehmern und Arbeitslosen erster und zweiter Klasse zunimmt“, kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Bisher habe nur rund ein Fünftel der Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Hartz IV) eine reguläre Beschäftigung gefunden. Besonders negativ sei, dass „prekäre Beschäftigung boomt“, sagte Buntenbach.

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