Wirtschaft : Immer weniger Brauereien kontrollieren den Biermarkt

MÜNCHEN (tmh).Die Zahl der Brauereien in Deutschland wird sich künftig dramatisch verringern.Diese Einschätzung vertrat der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Michael Dietzsch, am Rande des Deutschen Brauertags in München.Für 1997 weist die Statistik zwar nur einen Rückgang von sieben auf noch 1269 heimische Brauereien aus.Da aber auch bis zu 250 Kleinstbrauereien in Gaststätten berücksichtigt wurden, dürfte die Zahl echter Braustätten hierzulande nur noch bei knapp über 1000 liegen.Auf dieser Basis haben 1997 etwa 20 Brauereien geschlossen.Auf welche Anzahl von Brauereien Deutschland zusteuert, wollte Dietzsch nicht abschätzen."Nüchtern betrachtet, würden vielleicht zwei Brauereien pro Bundesland ausreichen," meinte der Verbandspräsident mit Blick auf Bier-Oligopole in vielen Ländern rund um die Welt.Allerdings kontrollieren die 15 größten Braugruppen der Bundesrepublik immerhin schon zwei Drittel des Markts.Angesichts von über 5000 Marken bleibe die heimische Bierlandschaft international aber einzigartig.Deutlicher rückläufig ist die Zahl der in der Branche Beschäftigten, die im Vorjahr um über 4000 auf noch 44 000 Mitarbeiter sank.Ausdruck für den seit Jahren anhaltenden Druck auf die Bierbrauer ist der 1997 zum dritten Mal in Folge gesunkene Pro-Kopf-Verbrauch beim Bierkonsum.Jeder Bundesbürger trank 1997 im Schnitt mit 131,1 Litern gut einen halben Liter weniger als im Jahr davor.Damit ist Deutschland nach Tschechien die Nummer zwei weltweit.Auf Länderebene liegt Bayern mit 180 Liter pro Person an der Spitze.

Durch den nachlassenden Bierdurst sank der Umsatz der Branche 1997 bundesweit auf 19,4 (Vorjahr 19,7) Mrd.DM.Dabei verlaufe die Branchenkonjunktur auf Firmenebene sehr unterschiedlich, sagte Dietzsch.Auf einem allgemein gesättigten Getränkemarkt werde der Bierkonsum vor allem von sinkenden Einkommen, der Senkung der Promille-Grenze sowie der Alkoholdiskussion gedrosselt.Bier sei keine Droge, sondern ein traditionelles Lebensmittel, und Brauer keine Dealer.Die geplante Einschränkung der Alkoholwerbung bezeichnete Bierpräsident Dietzsch als Anschlag auf die Marktwirtschaft.

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