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Immer wieder sonntags : Schrippen werden teurer

13.08.2011 17:22 Uhrvon
Goldstück. Das Sonntagsbrötchen ist vielen Deutschen ein Heiligtum. Mehr als 1200 Sorten Kleingebäck sind hierzulande amtlich registriert.Bild vergrößern
Goldstück. Das Sonntagsbrötchen ist vielen Deutschen ein Heiligtum. Mehr als 1200 Sorten Kleingebäck sind hierzulande amtlich registriert. - Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Jeden Sonntag gehen die Deutschen zum Bäcker. Doch Brötchen werden teurer – nicht nur wegen höherer Getreidepreise. Mit Flugblättern wirbt dieser Tage eine Berliner Filiale um Verständnis dafür, dass sie die Preise erhöht.

Ein später Morgen, elf Uhr. Die Sonne scheint durch das Küchenfenster. Auf dem Herd kochen die Frühstückseier. Kaffeeduft zieht durch den Raum. Die Mutter macht ein Glas Marmelade auf, und dann, endlich: kommt der Papa mit den Schrippen nach Hause. Das Brötchen gehört für viele Deutsche zum Sonntag wie der Tannenbaum zum Weihnachtsfest.

Umso mehr schmerzt es die Verbraucher, dass vielerorts die Brotpreise steigen. Bei den meisten Anbietern passiert das schleichend. Der eine verteuert den Schusterjungen von 45 auf 50 Cent, der nächste die Brezel von 70 auf 80. Das in Berlin verbreitete Unternehmen Thürmann geht offensiver vor.

Mit Flugblättern wirbt es dieser Tage in seinen Filialen um Verständnis dafür, dass es die Preise erhöht. Statt 2,88 Euro kostet ein Weißbrot „Pain Parisien“ jetzt 3,20 Euro. Gestiegene Rohstoffpreise, wie etwa bei Weizen, Roggen, Saaten und Zucker seien ein Grund, heißt es. Ähnliche Mitteilungen waren bereits von der Firma Kamps im Umlauf.

Nicht von ungefähr wird Deutschland das „Land des Brotes“ genannt. Bei 95 Prozent aller Bundesbürger kommen Backwaren täglich auf den Tisch. Rund 87 Kilogramm Brot isst ein Deutscher im Schnitt pro Jahr. Das sind mehr als der Pro-Kopf-Verbrauch von Frankreich, Großbritannien und Irland zusammen. Dabei rühmen wir uns zu Recht einer einzigartigen Vielfalt: Allein 1200 verschiedene Sorten Kleingebäck, also Brötchen, Pfannkuchen und Co sind amtlich registriert. Im vergangenen Jahr machte die Branche 13 Milliarden Euro Umsatz. Die Nachfrage steigt, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Tatsächlich hat sich der Getreidepreis im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 Prozent erhöht. Schuld ist unter anderem das verquere Wetter, das zu heftigen Ernteeinbußen führt. „Im Mai hat es regelrechte Dürren gegeben, dafür war der Juli extrem verregnet“, sagt ein Brandenburger Landwirt. „Jetzt ist der Weizen fällig, aber wir können ihn nicht einsammeln, weil die Felder zu nass sind.“ An den wenigen trockenen Tagen in der vergangenen Woche haben die Getreidebauern im Akkord gemäht. Dennoch prognostizieren die Landwirtschaftsverbände für 2011 Ernteausfälle in Höhe von zehn Prozent.

Dabei sind es inzwischen nicht mehr nur die Mengen, die den Bauern Sorge bereiten: Auch die Qualität ist durch die hohe Feuchtigkeit bedroht. „Der Roggen fängt schon an zu keimen“, sagt der Landwirt, der nicht namentlich genannt werden will, weil er zugibt, seinen Qualitätsstandard vermutlich nicht halten zu können. „Keimende Körner sind für Brotmehl nicht mehr zu gebrauchen. Die kann ich allenfalls als Futtermittel anbieten.“

Allein für die Teuerungen verantwortlich ist der hiesige Wetter-Zirkus aber nicht. „Auch der Weltmarkt spielt eine Rolle“, sagt Martin Schraa, Getreide-Experte der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI). „Ein wichtiger Exportmarkt ist die USA. Die haben ebenfalls schwache Ernten eingefahren.“ Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Getreide weltweit steigt. Gerade die Schwellenländer verzehren mehr Getreideprodukte als noch vor ein paar Jahren. 2010 ist erstmals mehr Getreide verzehrt als produziert worden: Laut Internationalem Getreiderat standen 1,75 Milliarden Tonnen Ertrag 1,79 Milliarden Tonnen Verbrauch gegenüber. Für 2011 rechnet der Rat mit 1,83 Milliarden Tonnen Bedarf. „Die Bestände werden abgebaut. Das ruft Nervosität an den Märkten hervor“, sagt der Agrarexperte. Ohnehin tragen Spekulationen mit Rohstoffen an der Börse dazu bei, dass die Preise schwanken. „Das bewirkt zumindest Planungsunsicherheiten bei den Einkäufern“, sagt Schraa.

Lesen Sie auf Seite zwei, wie der wachsende Fleischkonsum auf das Getreideangebot auswirkt.

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